Am Wasserturm

Vier öffentliche Brunnen gab es um 1850 in Detmold, Marktplatz, Lange Straße, Exterstraße und Leopoldstraße. Etwa die Hälfte der Haushalte nutzte eigene Hausbrunnen. Die Qualität des Wassers war unterschiedlich und das Wasser der örtlichen Fließgewässer war oft durch Abwässer verunreinigt.
Bereits 1865 trug Medizinalrat Dr. Kirchner dem Magistrat der Stadt eine allgemeine Versorgung mit zuverlässig reinem Quellwasser durch eine städtische Wasserleitung vor. Im Residenzschloss verfügte man schon seit 1840 über Trinkwasser per Wasserleitung aus einer Quelle in der Prinzenwiese. Das Wasser wurde mittels einer Turbine in einen Hochbehälter im Palaisgarten gepumpt und gelangte mit natürlichem Gefälle zum Schloss sowie zum Theater … Bürgermeister Petri nimmt 1888 das Thema öffentliche Wasserversorgung wieder auf und im Jahr darauf wird Erich Grahn aus Koblenz, einer der führenden Wasserbauingenieure, mit dem Entwurf einer Wasserleitung beauftragt. Zehn Jahre später, nachdem Ernst zur Lippe der Stadt Detmold die ewigen Nutzungsrechte der Quelle in Berlebeck geschenkt hat, werden die Planungen realisiert. Die Quellfassung der Berlebecke wird gebaut, Wasserrohre werden verlegt und auf dem Hiddeser Berg wird ein Hochbehälter errichtet der am 29. März 1900 erstmals befüllt wurde. Knapp 1000 Häuser sind an das Wassernetz angeschlossen und das Quellwasser erreicht 70% der 2600 Haushalte in Detmold.

Portal der Quellfassung – LLB-BA_DT-14-72
Unter Denkmalschutz seit 1990

1904 erkrankten in Detmold 780 Personen an Typhus, einer Infektion die u.a. durch verschmutztes Wasser hervorgerufen werden kann. Medizinalrat Dr. Auerbach ging dieser Theorie nach und konnte nachweisen dass die Detmolder Wasserversorgung nicht als Ursache zu sehen war.

In dieser Studie beschreibt der Arzt das Wasserversorgungssystem in Detmold.

Auerbach Studie Seite 19

In seiner Analyse der Typhusepidemie berücksichtigt Dr. Auerbach auch die nicht an die Wasserversorgung angeschlossenen Häuser und schreibt erwähnt den Ortsteil Rödlinghausen.

Auerbach Studie Seite 23

Noch vor 1914 zeigt sich, dass das Wasserversorgungssystem parallel zur Stadtentwicklung insbesondere in den Außenbezirken ausgebaut werden muss. Im trockenen Sommer 1911 haben die Häuser im Stadtteil Hohenloh wochenlang kein Wasser; nach vielen Beschwerden beim Magistrat der Stadt wird 1912 der Wasserturm Rödlinghausen gebaut. Darüber berichtet der Hannoversche Courier am 12. November 1912.

Der Hochbehälter wird mit Wasser aus Berlebeck und zusätzlich aus einem 40 m tiefen Brunnen im Rödlinghauser Feld befüllt.

Stadtarchiv Detmold, DT BA, 3059
Wasserturm 2023

Der Wasserturm Rödlinghausen steht seit 1986 unter Denkmalschutz, neben der Eingangstür befindet sich eine Infotafel.

Der Wasserbedarf der Brauerei Falkenkrug war so hoch dass 1933 ein weiterer Wasserbehälter für die Versorgung von Hohenloh in der Nähe des Flugplatzes gebaut wurde.
Einen weiteren Wasserturm gab es am Bahnhof Detmold. Auf einem schönen Foto aus den 1960er Jahren ist der Wasserturm im Hintergrund zu sehen.

Stadtarchiv Detmold, DT BA, 967 – Foto: Horst Haaso

In besonders wasserarmen Sommern wurde Wasser von diesem Wasserturm auf dem Bahngelände per Bahn nach Remmighausen transportiert.

Auerbach Studie Seite 35

Heute sind die Siedlungsbereiche im Detmolder Stadtgebiet nahezu vollständig an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen. Lediglich der Stadtteil Niewald, Teile von Nienhagen, Schönemark und Brokhausen sowie abseits liegende Bebauungen werden noch über Hausbrunnen versorgt.


Quellen:
Stadtwerke Detmold, 100 Jahre – Zentrale Wasserversorgung in Detmold 1900 – 2000
LLB Signatur: 01-14 L 6291+1
Auerbach, Die Typhusepidemie in Detmold und die Trinkwassertheorie
LLB Signatur: 01-LM 31+1
Internetrecherchen
Bildarchiv der LLB Detmold https://bilder.llb-detmold.de
https://www.archivportal-d.de und https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de
Digitalisate dieser Bildarchive: Creative Commons Lizenz: CC BY NC ND

Robert Kronfeld

Vor mehr als 100 Jahren unternahm der Luftfahrtpionier Otto Lilienthal aus Anklam erste Flüge mit selbstgebauten Flugapparaten, vor fast 100 Jahren gelang Robert Kronfeld aus Wien der weltweit erste Flug mit einem Segelflugzeug über eine Strecke von mehr als 100 km. Im Norden von Detmold findest du im ehemaligen Militärbereich die Robert-Kronfeld-Straße.

Ausziehen! – Laufen! – Los! Drei Kommandos an die Startmannschaft brachten das Segelflugzeug mit Robert Kronfeld per Gummiseilstart am 15. Mai 1929 am Bergeshöveder Berg im Teutoburger Wald in der Nähe von Riesenbeck in die aufsteigende, sonnengewärmte Luft. Geplant war ein Flug entlang des Teuto bis nach Horn, vielleicht bis an die Externsteine, eine Strecke von mehr als 100 km eine bisher nicht erreichte Distanz im motorlosen Segelflug. Von der Sonntagszeitung Grüne Post war ein Preis von 5000 Reichsmark für den ersten Rekordflug ausgeschriebenen.

Vom Hermannsweg sind es nur wenige Schritte zum Startplatz. Dort wurde 1990 vom Heimatverein Riesenbeck ein Gedenkstein aufgestellt und direkt daneben eine Bank. 2018 wurde der Gedenkstein von Mitgliedern der Luftfahrtvereinigung Greven vom Bewuchs mit Flechten und Moosen befreit.

Gedenktafel am Bergeshöveder Berg
Foto: RMK

Der Flug von Kronfeld endete entgegen der Planung nicht in der Nähe der Externsteine sondern einige Kilometer vor diesem Ziel auf dem Königsberg bei Detmold. Als Gesamtstrecke wurden 102 km festgestellt. Am Landeort befindet sich (GPS 51° 55‘ N, 8° 53‘ O) seit dem 15. Mai 1997 ein Gedenkstein auf dem Gelände des LWL-Museums.

Gedenkstein auf dem Königsberg

Auf der Internetseite der Luftfahrtvereinigung Greven findest du den Bericht von Robert Kronfeld „Mein Streckenrekordflug am Teutoburger Wald“ der 1929 in der Zeitschrift „Flugsport“ Nr. 13 veröffentlicht wurde.

Gudrun Hennigs hat 1993 einen Beitrag mit dem Titel „Ein Rekordflug brachte den Segelflug in das Lipperland“ in Heimatland Lippe veröffentlicht. Bei der LLB Detmold ist das Heft online verfügbar. Mit einem Klick auf das Vorschaubild wird die jeweilige Seite aus dem LLB-Archiv aufgerufen.

Am 17. Mai 1931 besuchte Robert Kronfeld die Einweihungsfeier des Flugplatzes Oerlinghausen. In seinem Eintrag im Gästebuch der Stadt erwähnt er das hervorragende Segelfluggelände.

Anlässlich der Deutschen Segelflugmeisterschaften im Juli 1953 in Oerlinghausen findet sich auf derselben Gästebuchseite unten ein Eintrag mit gravierenden Fehlern.

Jetzt möchte die Rechtschreibprüfung den Namen Kronfeld gerne zu Kornfeld korrigieren. Diesem Wunsch sind verschiedene Autoren gefolgt und so liefert die Internetsuche nach Robert-Kornfeld-Straße einige Treffer.

Bemerkenswert ist auch die folgende Information.

In open street map ist dieser Fehler mittlerweile behoben.

Links:
https://www.haller-kreisblatt.de/Ueber-dem-Teuto-wurde-Geschichte-geschrieben.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Wien_(Segelflugzeug)
https://www.j2mcl-planeurs.net/dbj2mcl/planeurs-hommes/hommes-fiche_0int.php?code=123
https://sportflugzentrum.de/2018/09/23/denkmalpflege/

Quellen:
Lippischer Heimatbund: Heimatland Lippe
Stadtarchiv Oerlinghausen
wikipedia

Volksblatt

Bei einem “Stadtrundgang auf den Spuren der NS-Zeit in Detmold” führte der Weg auch zum Wall. Dort befanden sich im Haus Wall 9 die Redaktionsräume der Zeitung „Volksblatt“.

Adressbuch Detmold 1924
Wall 9 – Ansicht 2022

Leider gibt es bisher kein Bild aus den 1920er Jahren vom Redaktionsgebäude.
Die erste Ausgabe des „Volksblatt“ erschien im Februar 1920, ab dem drittem Jahrgang ist die Zeitung auf Mikrofilm im Landesarchiv NRW Obteilung Ostwestfalen-Lippe in Detmold verfügbar. Bei der LLB Detmold ist das Volksblatt digitalisiert verfügbar.

Kopf der Titelseite vom 1. Januar 1922

Die Druckerei befand sich im dahinter liegenden Haus an der Weinbergstraße, der heutigen Paulinenstraße. Von diesem Gebäude sind in den Detmolder Archiven verschiedene Fotos vorhanden. Auf mehreren Fotos ist der Festumzug des Kriegerbundes aus dem Jahr 1927 zu sehen.

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Von 1929 bis 1933 war Felix Fechenbach Redakteur der sozialdemokratischen Zeitung „Volksblatt“. Am 2. März 1933 erfolgte das Verbot der Zeitung, am 11. März wurde Fechenbach verhaftet, am 7. August 1933 von Nazis ermordet.

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Verlagsräume und Druckerei wurden von den Nazis weiter genutzt um eine Zeitung mit gänzlich anderer Thematik und Berichterstattung unter dem Titel „Lippische Staatszeitung“ herauszugeben.

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Heute befinden sich im ehemaligen Haus der Volkblatt-Druckerei verschiedene Geschäfte, jetzt unter der Adresse Paulinenstraße 9.

Paulinenstraße 9

Ein Jahr nach Kriegsende wurde am 3. April 1946 die „FREIE PRESSE“ als erste Zeitung in Lippe von der britischen Militärregierung zugelassen. Chefredakteur war der sozialdemokratische Politiker Carl Severing. Hier kannst du drei Artikel dieser Erstausgabe lesen.
Die Autoren waren Heinrich Drake und Wilhelm Mellies.

Die „FREIE PRESSE“ erschien bis 1967 mit einer Auflage von täglich 95 430 Exemplare in Ostwestfalen.
Hier kannst du mehr zur FP erfahren.
https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Presse_(Bielefeld)

Quellen: Bildarchiv der LLB, Zeitungsarchiv der LLB

Landeseisenbahn

Detmold und das Lipperland liegen zwar zentral in Europa und sind, wie jede Heimat, Mittelpunkt der Welt und trotzdem am Rand. Eine knappe Stunde Fahrzeit bis zur nächsten Autobahnauffahrt und ebenso lange bis zum nächsten überregionalen Bahnhof.
Keine der im 18. Jahrhundert gebauten Bahnlinien führte in das kleine Fürstentum. Die erste Eisenbahnstrecke auf lippischem Boden zwischen Hannover und Altenbeken tangiert Lippe bei Schieder lediglich. Über Schieder ist Lippe seit 1872 an die Eisenbahn angeschlossen. Die seit 1847 von Köln bis Hannover betriebene Köln-Mindener Bahn, seither die einzige Trägerin des ost-westlich verlaufenden Weltverkehrs in Norddeutschland, führte dicht an lippischem Gebiet vorbei. Lippe bemühte sich zwar frühzeitig um einen Anschluss an diese Bahn, im Juli 1857 wurde sogar bereits die Lage des Bahnhofs Detmold festgelegt und eine Streckenführung den Knochenbach hinauf über Heiligenkirchen, Hornoldendorf nach Horn abgesteckt, konnte sich als kleines Land diese Investition nicht leisten. 1880 wurde die Bahnlinie von Herford nach Detmold vollendet und am 31. Dezember 1880 konnte der erste fahrplanmäßige Zug nach Detmold fahren.
Die Kosten von mehr als 3 Millionen Mark wurden von Preußen und Lippe getragen, ein Zehntel des lippischen Beitrags von 1,5 Millionen Mark wurde von der Stadt Detmold übernommen. Mehr als 50.000 Fahrgäste in den ersten Jahren und nahezu eine Verdopplung im Jahrzehnt bis 1894 zeigt die Bedeutung dieser Stichbahn für Detmold ebenso wie der über die Eisenbahn geführte zunehmende Güterverkehr für das Land Lippe.
Der Wunsch einer Weiterführung der Strecke Herford – Detmold nach Altenbeken und damit eine Eisenbahnverbindung zwischen der Köln-Mindener und der Westfälischen Bahn wurde durch die Bielefelder Handelskammer unterstützt und in Detmold konstituierte sich im Juli 1885 ein Komitee zur Förderung des Eisenbahnunternehmens Detmold – Altenbeken. Die Strecke wurde am 12. Juli 1895 in Betrieb genommen und Lippe hatte den Anschluss nach Mittel- und Süddeutschland.

Bahndamm mit Eisenbahn, rechts Gastwirtschaft „Grüner Jäger“ in der Meiersfelderstraße
ca. 1918 – LLB Detmold, BA DT-19-32

Lippe verpasste die Chance, ein modernes flächendeckendes Nahverkehrssystem zu errichten.
So lautet die Überschrift zu einem Text von Hermann Niebuhr zur Geschichte der Verkehrsanbindung des ländlichen Raumes.
Der lippische Landtag forderte im Oktober 1899 die Regierung auf, „… alsbald in Erwägungen darüber einzutreten, in welcher Weise und unter welchen Voraussetzungen unser Land mit einem Kleinbahnnetze versehen werden könne.“ Mit der Eisenbahn konnte man große Entfernungen schnell überwinden und war nicht mehr vom Wetter abhängig. Vor allem aber war der Gütertransport entscheidend erleichtert, was den Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse begünstigte. Außerdem hatten sich die großen Linien für Betreiber und Aktionäre als sehr gewinnbringend erwiesen. Also wurde in vielen bis dahin schlecht erreichbaren Gegenden der Bau von Klein- oder Nebenbahnen gefordert – so auch in Lippe.
Beim lippischen Staatsministerium gingen verschiedene Anfragen von Eisenbahnbaugesellschaften ein, die ihre Dienste anboten. Unter diesen befand sich auch das „Bau- und Betriebs-Bureau für Neben- und Kleinbahnen G. Küchler“. Auf Beschluss des Landtags vom 17.3.1900 gab die lippische Regierung die Vorarbeiten für ein Kleinbahnnetz in Auftrag, – das Ergebnis war das von Küchler ausgearbeitete Projekt einer „Lippischen Landeseisenbahn“.
Küchler hatte ein geschlossenes Kleinbahnnetz in Meterspur entworfen mit einer Streckenlänge von ca. 200 km und 70 Bahnhöfen und Haltestellen. an Baukosten waren etwa 9 Millionen Mark veranschlagt. Dieses Netz hätte alle Teile Lippes gleichmäßig erschlossen und der Verlauf der Linien entspricht weitgehend den heute noch aktuellen Verkehrsadern. In Vlotho und Rinteln waren Güterumschlagplätze an der Weser vorgesehen und an vielen Stellen direkter Übergang zur Staatsbahn.

Lippische Landeseisenbahn, Bahnhöfe und Haltepunkte

1 Vlotho, 2 Niedermühle, 3 Kaltdorf, 4 Hellinghausen, 5 Langenholzhausen, 6 Dalbke, 7 Hohenhausen, 8 Bavenhausen, 9 Luhe, 10 Breda, 11 Entrup, 12 Lemgo, 13 Nonenkrug, 14 Bentrup-Trophagen, 15 Heiden, 16 Bremke-Niewald, 17 Belfort, 18 Detmold, 19 Heidenoldendorf, 20 Nienhagen, 21 Pivitsheide, 22 Augustdorf, 23 Haustenbeck, 24 Schlangen, 25 Meiersfeld, 26 Diestelbruch, 27 Vahlhausen-Mosebeck, 28 Cappel, 29 Kleinenmarpe, 30 Großenmarpe, 31 Istrup, 32 Blomberg, 33 Schieder, 34 Lothe, 35 Schwalenberg, 36 Ruensiek, 37 Born, 38 Rischenau, 39 Falkenhagen, 40 Bremke, 41 Almena, 42 Nalhof, 43 Bösingfeld, 44 Asmissen, 45 Ullenhausen, 46 Alverdissen, 47 Barntrup, 48 Mönchshof-Bentrup, 49 Sommersell, 50 Rothekuhle, 51 Vogelhorst, 52 Kluckhof, 53 Lüdershof, 54 Kirchdonop, 55 Eckendorf, 56 Nienhagen, 57 Bexterhagen-Wülferheide, 58 Bexten-Wülfer, 59 Knetterheide, 60 Schötmar, 61 Salzuflen, 62 Kohlstädt, 63 Kleine Egge, 64 Externsteine, 65 Horn (Stadt), 66 Horn (Bahnhof), 67 Ehrdissen-Schuckenbaum, 68 Leopoldshöhe, 69 Pottenhausen, 70 Lage

Warum wurde dieses Projekt nicht verwirklicht? Obwohl es großen Eindruck machte, überwogen die finanziellen Bedenken. Die Steuerkraft Lippes war gering und die Abgaben („Matrikularbeiträge“), die Lippe als selbständiges Glied des Deutschen Reiches zu zahlen hatte, drohten zu steigen. Der dadurch beengte Handlungsspielraum war die Kehrseite der Eigenständigkeit des Landes. Landtag und Regierung behandelten das Projekt daher sehr zögerlich.

Ein zuverlässiges Nahverkehrssystem in Westfalen-Lippe erhalten und ausbauen – dieses Ziel verfolgt der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe, kurz NWL. Hier siehst du die Ausbaupläne.

Quellen:
Geschichte der Stadt Detmold, 1953, Maximilian Verlag
LLB-Detmold, Bildarchiv
Nahverkehr Westfalen-Lippe

Melli Beese

Wer ist Melli Beese fragst du dich, wenn du im Detmolder Norden durch die Wohngebiete auf der ehemaligen Jerxerheide radelst und dort auf den Melli-Beese-Weg triffst.
Als erste Frau in Deutschland erwarb Melli Beese am 13. September 1911 die Lizenz zum Führen eines Motorflugzeugs.
Hier fehlt offensichtlich eine kleine Informationstafel unter dem Straßenschild.

In Jerxen-Orbke gab es in den 1900er Jahren auf der Jerxerheide eine Pferderennbahn. Am 15. Oktober 1911 fand dort der Detmolder Flugtag statt. Veranstalter waren der „Detmolder Rennverein“ und die „Berliner Gesellschaft für Luftschiffahrt und Flugwesen E.V.“

Programmheft: Stadtarchiv Detmold – DT Heimatmuseum Nr. 66

Für den Nachmittag sind Schauflüge geplant, angekündigt sind ein Wright-Zweidecker und eine Rumpler Taube mit den Piloten: Hans Vollmöller, Gustav Witte und Fräulein Melli Beese.

Programmheft: Stadtarchiv Detmold – DT Heimatmuseum Nr. 66

Da sich das Wetter am Flugtag gegen Nachmittag verschlechterte konnte Melli Beese ihr Flugzeug nicht im Flug zeigen.

Das Deutsche Museum München hat mehrere interessante Artikel zu Melli Beese im Netz. Du kannst unter https://blog.deutsches-museum.de nach Melli Beese suchen oder klick auf das Bild.

Hier ist Teil 2 der Story
Als Jugendliche beschloss Melli Beese Bildhauerin zu werden und besuchte die Akademie der Künste in Stockholm. Mehr dazu kannst du hier in einem weiteren Beitrag des Deutschen Museums lesen.
https://blog.deutsches-museum.de/2023/04/17/flugpionierin-melli-beese

Rumpler-Taube – Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_146-1972-003-64,_Flugzeug_Rumpler-Taube_nach_dem_Start.jpg

Hier findest du zwei interessante Beiträge zur Rumpler Taube, dem Flugzeug von Melli Beese.
https://blog.deutsches-museum.de/2019/09/20/so-a-tassl-kathreiner-hilft-einm-ueber-alles-weg
https://blog.deutsches-museum.de/2019/11/08/aufschwung-und-absturz-der-taube

Zum weiter lesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Melli_Beese
https://digitale-sammlungen.de in Digitale Bibliothek – Münchener DigitalisierungsZentrum MDZ
https://www.heimatverein-jerxen-orbke.de/geschichte-n-jo


Quellen:
Ein Dorf schreibt Dorfgeschichten (LLB Detmold ZXSJ 101)
Landesarchiv NRW, Stadtarchiv Detmold, Wikipedia, Wikimedia

Helene-Wessel-Straße

Die „Mütter des Grundgesetzes“ – das sind die vier Frauen, die gemeinsam mit 61 Männern im Parlamentarischen Rat 1948 das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland erarbeiteten: Friederike Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel. Sie waren 1949 wesentlich daran beteiligt, dass die Gleichstellung der Geschlechter mit dem Satz „Frauen und Männer sind gleichberechtigt.“ als Artikel 3 ins Grundgesetz aufgenommen wurde.

Zu seiner Sitzung am 04.11.2015 lag dem Ausschuss für Stadtentwicklung ein Vorschlag zur Umbenennung einiger Straßennamen in den ehemaligen Britenvierteln vor. Bedeutende Frauen sollen vorgeschlagen werden denn bisher sind nur wenige Frauen als Namensgeberin für Straßen in Detmold berücksichtigt worden.
Der Gleichstellungsbeirat schlug vor, den Christaweg, den Gerdaweg sowie einen bisher unbenannten Weg nach Frieda Nadig, Elisabeth Selbert und Helene Weber zu benennen.


Ein lobenswerter Vorschlag der zeitnah vom Rat beschlossen und umgesetzt wird aber eine Frage aufwirft.
Sentaweg, Annastraße, Monikaweg, Erikastraße, Ingridstraße sind die Namen von fünf weiteren Wegen bzw. Straßen in diesem Quartier. Warum ist dem Gleichstellungsbeirat die Ehrung der vierten „Grundgesetzmutter“ nicht ebenso wichtig gewesen?

Quellen:
Ratsinformationssystem Detmold, OpenStreetMap

Nachtrag:
Vor 125 Jahren am 6. Juli 1898 wurde Helene Wessel geboren.
Hier kannst du den Zeitzeichen-Beitrag vom 6. Juli 2023 nachhören:
https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/zeitzeichen-helene-wessel-100.html

Lemgoer Tor

Als Bernhard III 1265 an der Straßenverbindung Lemgo – Paderborn die Stadt Detmold gründete, wurde das etwa 17 ha große Stadtgebiet mit einer Mauer befestigt in welcher, abgesehen von einer kleinen Pforte am Bruchberg, nur zwei Tore vorhanden waren. Das Hornsche Tor im Süden, das Lemgoer Tor im Norden, der ehemalige Steinweg zwischen diesen Toren trägt heute den Namen Lange Straße. In den Sammlungen des Lippischen Landesmuseums und der Lippischen Landesbibliothek sind sowohl ein „Stadtplan“ als auch eine „Ansicht“ dieser Gestaltung der Stadt Detmold im Mittelalter vorhanden.

Stadtplan – Lippische Landesbibliothek 1-D-41
Das Lemgoisch-Thor in Detmold – Innentor und Aussentor

Der Standort des Lemgoer Tores wurde anhand dieser und weiteren historischen Darstellungen lokalisiert und in den 1980er Jahren mit Markierungen im Pflaster gekennzeichnet. Als Folge von Baumaßnahmen wurde die Pflasterung neu gestaltet und aktuell sind diese Markierungen leider nicht mehr vorhanden.

Die Straße Richtung Norden bis zum heutigen Kreisverkehr am Sozialgericht hieß Lemgoer Straße und im weiteren Verlauf Lemgoer Chaussee ab den 1930er Jahren Richthofenstraße.

Stadtplan Detmold 1912

Im Stadtplanausschnitt von 1912 siehst du an der Markierung wo das Lemgoer Tor seinerzeit gestanden hat. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde beschlossen das Tor abzubrechen, den Faulen Graben (heute das Rosental) zuzuschütten und vor dem Lemgoer Tor entstanden neue Häuser. Bereits 1778 war an der Nordostecke des Lustgarten das Komödienhaus (Abbruch 1936) gebaut worden. Vor dem Lemgoer Tor entstand 1817 ein erstes Wohnhaus (jetzt Lange Str. 81) und 1825 genehmigte das Hofmarschallamt den Bau von sechs Häusern um der Wohnungsnot abzuhelfen und zur Stadtverschönerung beizutragen. 1828 entstand an der Lemgoer Chaussee das Strafwerkhaus, spätere Nutzungsnamen waren Kaserne II (bis 1945), Regierungsgebäude II (1951), Sozialgericht.
Ein weiteres bedeutsames Wohnhaus war das 1838 von Petri gebaute Petrische Palais, das in den 1970er Jahren im Zuge der Straßenplanung am heutigen Hasselter Platz abgerissen wurde.


Stadtplan Detmold 1961

Auf diesem Plan erkennst du die Straßenbezeichnungen im Kreuzungsbereich Lagesche Straße – Paulinenstraße in den 1950er Jahren. Die Klüter Straße heißt seit den 1980er Jahren Lemgoer Straße, der Kreuzungsbereich wurde neu konzipiert, das Volkshaus abgerissen, neue Gebäude errichtet und die Vermarktungsprofis der Baubranche nutzten die Gelegenheit, benannten ein Wohn- und Geschäftshaus an der Kreuzung „Lemgoer Tor“ und vereinnahmten so einen historischen Namen.

Wohn- und Geschäftshaus
Lagesche Straße – Lemgoer Straße

Die damalige Stadtarchivarin schreibt dazu in Heimatland Lippe (Nov. 1990) „Da aber nunmehr der Verkehr von und nach Lemgo über diesen Platz läuft, wäre gegen eine Bezeichnung „Neues Lemgoer Tor“ nichts einzuwenden“. Wieder einmal hat Kommerz gegen Historie gewonnen.


Seit September 2022 wird mit dieser Infotafel an das Lemgoer Tor erinnert

30 Jahre später gelingt es dem Lippischen Heimatbund am ehemaligen Rathaus II (jetzt H&M) eine Infotafel anzubringen. Warum aber muss die Überschrift zu diesen historischen Informationen „Altes Lemgoer Tor“ lauten?


Als „Rosental-Galerie“ wird das vor einigen Jahren an der Kreuzung Lange Straße – Rosental errichtete Gebäude bezeichnet. Nicht nur auswärtige Besucher der Residenz auch Detmolder Bürgerinnen und Bürger suchen vergeblich eine Galerie.


Quellen:
Geschichte der Stadt Detmold, Maximilian-Verlag, 1953
Heimatland Lippe, LLB

Smog in Ostwestfalen

SMOG IN OSTWESTFALEN NUR AUF DEM BILDSCHIRM
So lautet der Text einer Karikatur von Egon Körbi, der mehr als drei Jahrzehnte als EKÖ für die Freie Presse, die Neue Westfälische und die Lippische Landes-Zeitung als Karikaturist gearbeitet hat.

Karikatur von EKÖ – Lippische Landes-Zeitung – 1985-01-19

Am 15. Januar 1985 um 6:26 war plötzlich Stille im Radio. Keines der WDR Programme ist zu empfangen, ein Blick aus dem Wohnzimmer in Richtung Hermann, das vertraute Signallicht am Sendeturm auf dem Bielstein ist erloschen. Die haben wohl Stromausfall – so der erste Gedanke. Als es hell wird zeigt sich jedoch: Nicht nur das Warnlicht ist ausgefallen. Der Sendemast ist nicht mehr zu sehen.

Die Sendeanlage war erst knapp 15 Jahre vorher, nach langer Planung im Juni 1970 in Betrieb genommen worden.
Ein schönes Bild vom Sendemast hat die Firma Luftbild Kirchner + Wolf aufgenommen. Die Rechte für das Bild liegen mittlerweile beim Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr.

Bereits um 14:50 desselben Tages ist für das Programm WDR 2 eine provisorische Lösung gefunden. Der Sender Hünenburg in Bielefeld strahlt das Programm aus und die Technikabteilung des WDR geht davon aus im Februar über einen provisorischen 85 m Mast auf dem Bielstein das 1. Programm wieder zu senden.

Viele Informationen zur Geschichte des Senders und den Ursachen, die zum Einsturz führten kannst du in einer informativen Schrift des WDR nachlesen. Den Link findest du am Ende dieses Artikels bei den Quellenangaben.

Im September 1986 war „Der neue 300er“ fertig und die Rundfunkprogramme des WDR sowie das 1. Programm (ARD-Fernsehprogramm) können wieder in entsprechender Qualität empfangen werden.

Mehr zur Geschichte von Rundfunk und Fernsehen in OWL gibt es vielleicht demnächst.

Quellenangaben:
Lippische Landes-Zeitung, WDR Archiv – https://www1.wdr.de/sendemastpdf100.pdf

Wolf-Hirth-Straße

Seit Jahren ist es bekannt! Der Name einer Straße in Detmold ist falsch geschrieben. Lange Zeit war diese Straße den Detmolder Bürgern unbekannt, lag sie doch im Bereich der ehemaligen Britensiedlung an der Siegfriedstraße. Nach dem Abzug der Briten entsteht hier ein neuer Stadtteil mit Kindergarten, Kunst- und Kulturhaus, Nahversorgung, Gastronomie, …

Ausschnitt Stadtplan 1960

In diesem Stadtteil, der Ende der 1950 Jahre mit Wohnungen für die Familien der in Detmold stationierten Militärs bebaut wurde, waren auch neu gebaute Straßen zu benennen. Am 15.12.1959 erfolgte die Namensgebung: Wolfgang-Hirth-Straße, Lilienthalstraße, Zeppelinstraße. Mit dieser Namensgebung sollten Pioniere der Luftfahrt geehrt werden.
Der Segelflugpionier Wolf Hirth, seine Vornamen Kurt Erhard Wolfram kürzte er ab zu Wolf, starb am 25. Juli 1959. Wer seinerzeit zur Namensgebung nicht korrekt recherchiert hat, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Mit einer Nachfrage beim DAeC oder dem Luftsportverein Detmold wäre die Straße sicherlich korrekt benannt worden.


Bei den Recherchen finden sich weitere interessante Fehler bei der Schreibweise des Straßennamens. So ist in der Ergänzung zum Straßenverzeichnis im Stadtplan von 1960 der Name Wolfgang-Hirt-Str. aufgeführt. Im Stadtplan ist der Nachname korrekt mit „h“ geschrieben.

Stadtplan 1960 – Ergänzung zum Straßenverzeichnis

In der Begründung zum Bebauungsplan 01/83A vom Mai 2020 findest du die Bezeichnung Wolfgang-Hirth-Weg.

In der Broschüre „Die Straßen der Detmolder Kernstadt“ notiert der Autor Rüdiger Henke in der Beschreibung zur Robert-Kronfeld-Straße den von Hirth gewählten Vornamen korrekt. Als Robert-Kronfeld-Straße war von 1996 bis 2002 für einige Jahre die Straße zum ehemaligen Munitionsdepot benannt. Diese Straße heißt seit September 2002 Im Fliegerhorst und die Robert-Kronfeld-Straße findest du jetzt im ehemaligen Kasernengelände. In diesem Bereich ist eine weitere Straße nach dem Segelflugpionier Günther Groenhoff benannt.
Im Zuge der Planung der Britensiedlungen waren auch die erforderlichen Straßen zu planen und insbesondere waren geeignete Namen zu finden. Im Stadtplan von 1960 findest du u.a. die Hindenburgstraße, die Friedrich-Ebert-Straße, Stresemannstraße, Zeppelinstraße … Doch bereits nach wenigen Jahren war aufgrund der Gemeindereform eine erste Umbenennung erforderlich. Die Friedrich-Ebert-Straße und die Hindenburgstraße existierten bereits in Hiddesen, die beiden Straßen in der Kernstadt werden umbenannt zu Eckenerstraße und Adenauerstraße.
Bei den Planungen zur Konversion des gesamten vom Militär genutzten Geländes wurde 2015 im Rat ein Antrag der SPD zur Umbenennung von Straßen in diesem Bereich eingebracht. Einige Straßennamen (Gerdaweg, Christaweg) seien entweder nicht mehr zeitgemäß oder nicht korrekt (Wolfgang-Hirth-Straße). Bei einer Neubenennung sollen weibliche Persönlichkeiten geehrt werden und so gibt es jetzt den Frieda-Nadig-Weg und den Elisabeth-Selbert-Weg. Warum unterblieb trotz Hinweis auf die fehlerhafte Benennung der Wolfgang-Hirth-Straße die erforderliche Korrektur?

So sollte das Straßenschild eigentlich aussehen

Gibt es weitere Fehlbenennungen in der BRD? Die Internetrecherche nach „Wolfgang-Hirth-Straße“ bringt dich nach Schönkirchen im Amt Schrewenborn, Kreis Plön.

Open-Street-Map – Schönkirchen

Infos aus Chronik Schönkirchen
In der Gemeinde Schönkirchen wurde in den 1940 Jahren ein neuer Stadtteil für Mitarbeiter der in Kiel ansässigen Firma Anschütz geplant und gebaut. Hermann Anschütz-Kaempfe war Erfinder des Kreiselkompass. Die nach Wolf Hirth benannte Straße in der Anschützsiedlung erhielt den Namen Wolfgang-Hirth-Straße (vermutlich nach dem Tod von Wolf Hirth) in den frühen 1960er Jahren.

Die weitere Sichtung der Suchergebnisse führt zu einer Nachricht in der Kreiszeitung Böblinger Bote vom August 1918 in dem über einen Dieseldiebstahl an der Wolfgang-Hirth-Straße in Böblingen berichtet wird. Ein weiterer Fund der Suchmaschine ist die Anschrift einer Firma im Industriegebiet Esslingen.

Bei beiden Adressangaben handelt es sich um Schreibfehler.


Quellenangaben:
Internetrecherche, Landesarchiv NRW, Stadtarchiv Schrewenborn,
Rüdiger Henke – Die Straßen der Detmolder Kernstadt,
www.detmold.de/startseite/leben-in-detmold/stadtentwicklung/staedtebauliche-planungen/konversion/isek-ehemalige-britensiedlung/

Volkshaus

Da soll es doch eine Gedenktafel geben, an dem Haus das dort errichtet wurde wo ehemals das Volkshaus stand und jetzt ein großes Geschäftshaus steht, an der Kreuzung Paulinenstraße – Röntgenstraße – Lagesche Straße.

Du musst schon etwas suchen, denn die Tafel ist nicht prominent am Eingang angebracht sondern versteckt hinter Gebüsch an der Seitenwand zur Werre. Einem auf der Paulinenstraße fahrenden Detmold-Besucher bleibt sie daher verborgen. Warum also sollte er nach einem Parkplatz Ausschau halten und sich genauer informieren was auf der Tafel zu lesen ist.

In der Fotosammlung der LLB Detmold finden sich einige Bilder. Auf einer Postkarte mit dem Datumsstempel 16.05.1927 ist das ursprüngliche Volkshaus mit der Anschrift Lageschestr. 66 an der Ecke Paulinenstraße – Lagesche Straße abgebildet. Den Namen Röntgenstraße gab es noch nicht. Die Verlängerung der Paulinenstraße (heute Lemgoer Straße) trug den Namen Klüterstraße.

Foto: LLB Detmold ME PK 15-7

Die Digitale Sammlung der LLB Detmold bietet den Zugang zu diversen Adressbüchern. Im Adressbuch der fürstlichen Residenzstadt Detmold von 1914 ist zu lesen: Gasthof Stadt Detmold, Lageschestraße, Ecke Paulinenstraße, Telefon 227.
1920 wurde das Haus an die Stadt Detmold verkauft, von der Volkshaus G.m.b.H. erst gepachtet und dann erworben.
Im Adressbuch von 1923 findest du den Eintrag: Volkshaus (Gewerkschaftshaus) Lagesche Straße 66.
1928 erfolgte der Abriss, der Neubau war 1930 fertiggestellt. Zur Einweihung sprach der sozialdemokratische Landespräsident Heinrich Drake.

Foto: LLB Detmold ME PK 15-9A
Foto: LLB Detmold ME PK 15-9B

Nach der Landtagswahl am 15. Januar 1933 regierte die NSDAP in Lippe. Am 11.3.1933 kam es zu einem Sturm auf das Volkshaus durch die Nazis. Am 2. Mai 1933 wurden die Gewerkschaften zerschlagen, das Volkshaus besetzt. Hakenkreuz-Flaggen wehten an den Fahnenmasten auf dem Dach sowie an der Fassade und der Schriftzug Volkshaus war mit einem Banner abgedeckt.

Foto: LLB Detmold BADT-11-36

Am 10. Mai 1933 wurde die DAF (Deutsche Arbeitsfront) , die NS Gewerkschaft gegründet und die bisherigen Gewerkschaften zerschlagen. Das Volkshaus wurde zwangsversteigert und von der DAF erworben.
In den Adressbüchern von 1934-1938 ist es als „Horst Wessel Haus“ Inh. Karl Paul verzeichnet.

1941 wurde der Turm entfernt, als Schriftzug ist lediglich „Die Deutsche Arbeitsfront“ an der Fassade angebracht.
Das Adressbuch 1941 verzeichnet: Haus der Deutschen Arbeit.

Foto: LLB Detmold ME PK 15-10

Auf der Rückseite dieser Feldpostkarte aus dem Jahr 1942 ist der Kartentext „Hotel-Restaurant Volkshaus“ mit „Horst Wessel-Haus Detmold“ überstempelt.

Foto: LLB Detmold ME PK 15-11

Nach 1945 wird das Gebäude durch die Militärregierung beschlagnahmt, geht danach in Eigentum des DBG über. Am 1. Juli 1949 erfolgt die Einweihung durch Hans Böckler. Der DGB nutzt die Räume für Büros, Schulungen und Tagungen, Hotel und Restaurant werden durch Pächter betrieben.

Nach 1950 wird das Flachdach ersetzt durch ein Steildach. Restaurant und Hotel werden weiter durch Pächter bewirtschaftet. Der Name wechselt zu Central-Hotel

ln-1 – Zeitungsarchiv Foto ca. 1960

Mitte der 1960er Jahre traten aus den Medien bekannte Bands ebenso wie Amateurbands aus der Region auf.

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Ein Highlight war ein Auftritt der Rattles auf den die Fans bis weit nach Mitternacht warten mussten.

Im September 1971 erfolgt der Verkauf an Stadt Detmold; die Verkehrsplanung der Stadt erfordert einen Ausbau der Kreuzung und im Mai 1985 erfolgt die Sprengung des Gebäudes.

Gerne würde ich dir hier das letzte Bild vom Central-Hotel zeigen. Laut Gebührenordnung des Stadtarchiv Detmold kosten „Einblendungen in Onlinediensten“ pro Woche 25 Euro.


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Bild mit diesem Klick ansehen.

Es folgt ein Neubau als Wohn- und Geschäfthaus und seit Mai 2015 befindet sich die Gedenktafel an der Seitenwand.

Warum für die Gedenktafel ein retuschiertes Foto von 1933 verwendet wird, ist schwer verständlich.

Quellen:
Heimatland Lippe 109.2016
LLB Detmold Digitale Sammlungen
LLB Detmold Regionaldokumentation

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