Tankstelle

Vor fast 100 Jahren berichtet die Lippische Tageszeitung am 19. August 1928
Eine neue Tankstelle ist in den letzten Tagen vor dem Geschäftshaus F. Mendorf angelegt. Nachdem bereits Tankstellen vor den Geschäftshäusern der Firmen Henneberg, Krüger, Hermann Meier, Stegelmann, Trippler, Barkemeier, Tacke und vor dem Gasthaus Lohöfener eingerichtet wurden, haben wir in der Stadt nunmehr 9 Stellen, an denen sich die Kraftfahrzeugfahrer mit Brennstoff versehen können. Die Anzahl der Tankstellen zeigt auch, wie stark der Verkehr in den letzten Jahren angewachsen ist.
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 Lippische Tageszeitung 33 (19.8.1928) 196

Anhand der lippischen Adressbücher aus der LLB ist zu ersehen, dass mehrere der oben genannten Tankstellen an der Langen Straße, der Straßenverbindung Bielefeld-Detmold zu finden waren.
Leider ist kein Bild überliefert um zu erkennen, wie diese Tankstelle ausgesehen hat. Vermutlich war es eine „Fasstankstelle“, vielleicht auch eine sogenannte „Bürgersteigpumpe“ auf welche häufig durch ein Emailleschild mit Pfeil und der Aufschrift „Pumpe“ hingewiesen wurde.
Interessant ist die Suche nach weiteren Informationen über Tankstellen in der Region um Lage/Lippe.

Die Suche im historischen Zeitungsportal in der Zeit zwischen Januar 1921 und Dezember 1928 in den lippischen Zeitungen (Landeszeitung LZ, Tageszeitung TZ, Lippische Post, Volksblatt VB) liefert über 400 Ergebnisse bei der Suche nach dem Schlagwort „Tankstelle“. Viele der Suchergebnisse sind Werbeanzeigen. Ein Blick auf diese Inserate zeigt den Einzug der Tankstellen in Lippe. Texte aus den redaktionellen Teilen der vier Zeitungen liefern einige interessante Zusatzinformationen.

Das erste Inserat zum Stichwort Tankstelle erscheint am 29. März 1923 in der Lippischen Landeszeitung! Für Benzin und Oele wirbt die Firma W. Horn aus Herford.
Nicht weit entfernt in Bad Salzuflen befindet sich die Fahrrad-Fabrik Opel, die am Kurparkeingang eine Tankstelle betreibt. Im Inserat vom 13. Juni 1923 wird auch auf Reparatur und Verkauf von Kraftfahrzeugen hingewiesen. Bereits im folgenden Inserat dieser Firma am 18. Oktober 1923 ist eine Neuausrichtung des Betriebes zu erkennen. Opel & Co. G.m.b.H. betreibt zusätzlich zur Tankstelle eine Autovermietung und ist zugelassen als Fahrschule.

Im Zentrum von Detmold, am Markt firmiert am 7. Dezember 1924 Bernhard Greive mit Reparatur-Werkstatt, Garage, Tankstelle. 10 Tage später berichtet das Volksblatt über die Sitzung der Stadtverordneten: „Am Detmolder Hof, Ecke Exterstraße, soll eine Straßentankstelle errichtet werden.“

Aus Oerlinghausen berichtet die Lippische Landeszeitung am 2. Mai 1925 über ein Mietauto für Personenbeförderung: „Die Firma Julius Lohmeyer, die vor kurzer Zeit hier eine Tankstelle und Reparaturwerkstatt eingerichtet hat, kommt mit der Beschaffung dieses Mietautos einem lange gehegten Wunsche vieler Bewohner entgegen.“

Über die Sitzung der Detmolder Stadtverordneten am 3. Juni 1925 berichtet die Landeszeitung am Folgetag: „Dem Vertragsentwurf zwecks Errichtung von Straßentankstellen gaben die Stadtverordneten ihre Zustimmung.“ Auswärtige Brennstoff-Großfirmen werden durch hiesige Geschäftsleute vertreten. Bereits zwei Tage später kündigt Heinrich Schewe die Neueröffnung einer Reparatur-Werkstätte und Tankstelle an der Wotanstraße 2 an und wiederholt dieses Inserat nahezu in jeder Woche bis zum Jahresende. Der Abgabe eines Grundstücks an der Lageschen Straße an Greive zur Errichtung einer Autogarage stimmten die Stadtverordneten endgültig zu.

Firma Helios, Automobilbau A.-G. aus Köln-Ehrenfeld schaltet am 2. Juli 1925 ein Inserat um auf die General-Vertretung Paul Opel – Auto-Zentrale – Bad Salzuflen an der Alleestraße hinzuweisen.

Dem Thema Tankstellen widmet sich auch der Auto-Atlas des Deutschen Reiches der zum Preis von 12 Mark bei der Meyerschen Hofbuchhandlung bestellt werden kann.

Heinrich Schewe wirbt am 23. August 1925 für die Tankstation an der Wotanstraße; wo er auch Einstellhallen für 15 Wagen anbietet.

Am 5. September 1925 erscheint das Inserat von Hermann Meier, Lage i. L. der auf seine Öl- und Benzin-Tankstelle hinweist. Lange Straße 84 ist die Adresse der Firma die auch Fahrräder, Nähmaschinen und Milchzentrifugen verkauft.

Am 17. September 1925 berichtet die Lippische Landszeitung:
Eine neue Tankstelle. Der immer stärker werdende Autoverkehr in Detmold hat eine neue Tankstelle dringend erforderlich gemacht. Die Dapolin-Gesellschaft errichtet jetzt in der Elisabethstraße, am Eingang der Autozentrale von Preyer, eine zweite Dapolin-Station. Zwei Tage später ist zu lesen:
Blomberg – Tankstelle Der immer stärker werdende Verkehr in den Richtungen Hameln – Paderborn hat auch hier die Errichtung einer Tankstelle nötig gemacht. Die Dapolin-Gesellschaft errichtet hier am Langensteinweg … [bei] Firma Gebr. Mariß eine Tankstelle. … Im Interesse des Gehbahnverkehrs hätte man aber den Zapfständer etwas mehr zur Seite stellen sollen.

An den letzten beiden Oktobertagen des Jahres 1925 inseriert W. Barkemeier aus Lage und macht Reklame für seine Werkstatt für Auto- und Motorrad-Reparaturen. Leider ist dem Inserat nicht zu entnehmen an welcher Adresse die Werkstatt sowie die Dapolin-Tankstelle zu finden sind.

6.5.1926 LZ
Blomberg – Eine neue Tankstelle hat die Dapolingesellschaft bei der Firma Heinrich Düllmann errichtet, was von vielen Kraftfahrern gewiß freudig begrüßt wird.

5.6.1926 LZ
Detmold – Eine neue Tankstelle für Automobile ist in der Grabbestraße am Hotel„Zum Hermann“ errichtet wor­den. Mit seinen leuchtenden Farben ist der Automat in seinem Aeußeren auch ein belebendes Moment des Straßenbildes.
Dem Inserat ist zu entnehmen, dass sich am Hotel zum Hermann eine Olex-Tankstelle befindet.

11.6.1926 TZ
Lemgo – Eine neue Tankstation. Die bekannte Fahrzeughandlung Heinr. Blübaum, Lemgo errichtete eine neue Tankstelle für Kraftfahrzeuge mit Zapfeinrichtung für Benzol und Benzin. Diese Einrichtung dürfte von allen Kraftfahrern freudigst begrüßt werden.

24.6.1926 TZ
Detmold – Neue Tankstationen. Der noch täglich steigende Automobil- und Kraftradverkehr bringt nunmehr auch unserer Stadt verschiedene neue Tankstellen. U. a. errichtet die Rhenania- Gesellschaft an der Hornschen Straße gegenüber der Fa. Gebr. Klingenberg, die Dapolin-Gesellschaft an der Paulinenstraße bei der Fa. Langenheim und in der Woldemarstraße bei der Fa. Grothe je eine Tankstation.

25.6.1926 TZ
Detmold – Bericht aus der Stadtverordnetenversammlung
Dann wurden einige Neueingänge bekannt gegeben, u. a. von der Fa. Gebr. Klingenberg ein Schreiben, in dem gegen die Errichtung einer Dapolin-Tankstelle protestiert wird.

2.7.1926 TZ
Detmold – Bericht aus der Stadtverordnetenversammlung
Die Errichtung einer Tankstation an der Hornschen Straße brachte einen Einspruch der Firma Gebr. Klingenberg.
Stadtv.-Vorst. Dr. Gregorius gab gleichfalls zu erkennen, daß in der Nähe des Gymnasiums bei dem regen Schülerverkehr die Errichtung einer Tankstelle nicht erwünscht sei, da bei regem Automobilverkehr hier leicht Gefahr bestände. Stadtv. Dr. Tielker sprach sich im ähnlichen Sinne aus.
Stadtbaurat Suvan gab zu erkennen, daß die moderne Entwicklung die Aufstellung von Tankstellen mit sich bringe und auch begrüßenswert erscheine, da dadurch die Lagerung der Brennstoffe in den Wohnungen der Automobilbesitzer aufhöre und manche Gefahr unterbinde.
Die Eingabe der Firma Gebr. Klingenberg geht mit dem Wunsch der Berücksichtigung an den Magistrat.

11.9.1926 LZ
Paul Weege macht in einem Inserat auf seine Tankstelle in Sylbach aufmerksam.
Dies ist die erste Tankstelle in Lippe außerhalb einer Stadt, gelegen an der Straße von Lage nach Schötmar!

15.9.1926 LZ
Das Rittergut Niederbarkhausen verpachtet am Scherenkrug ein Haus zur Errichtung einer Schmiede, Werkstatt und Tankstelle.

18.9.1926 LZ
Detmold – Neue Auto-Tankstelle. Die Deutsche Benzol-Vertriebs-G. m. b. H. Dortmund hat am Hotel Kaiserhof, Inh. Aug. Büxe, eine Zapfsäule für ihre Erzeugnisse Benzol und Aral errichtet.

19.9.1926 TZ
Detmold – Neue Benzol-Tankstelle in Detmold Die Deutsche Benzol-Vertriebs GmbH. Dortmund hat am Hotel Kaiserhof in Detmold eine Zapf-Säule für ihre Erzeugnisse eingerichtet. (Siehe Anzeige).

24.10.1926 LZ
Inserat: Sämtliche Reparaturen sachgemäß und preiswert in eigener Werkstatt. W. Runte, Horn i. L. Nordstraße, Teleph. 87, Auto-Reparaturwerkstatt, Tankstelle

22.12.1926 LZ
Inserat: Paul Wehrmann Barntrup 292 Reparatur-Werkstatt – Tankstelle

19.3.1927 LP
Das Inserat: Neuer Krug Tanzkränzchen! verbindet diesen Veranstaltungshinweis mit der Werbung für eine (in der Nähe liegende?) Dapolin-Tankstelle.

5.5.1927 LZ
Bad Salzuflen – Nachdem stadtseitig die Gehbahnanlagen in der Marktstraße hergestellt waren, … soll eine Tankstelle eingerichtet werden.

5.6.1927 LZ
Bad Salzuflen – Eine Tankstelle wird zur Zeit auf dem Parkplatz, gegenüber dem Hotel Korf, aufgestellt.

24.8.1927 LZ
Schwalenberg – Der Kaufmann Aldegarmann beabsichtigt die Errichtung einer Tankstelle vor seinem Hause in der Unteren Straße. Da von verschiedenen Seiten Bedenken wegen des Platzes vorgebracht werden, wird dieser Punkt zunächst der Baukommission überwiesen.

19.1.1928 LT
Hiddesen – Gegen die Vergrößerung der Tankstelle Strate bestehen seitens der Gemeinde keine Bedenken.

25.2.1928 LT
Detmold – Lippischer Landtag; Es liegt dann noch eine Anfrage der Volkspartei betreffend die Tankstelle in der Orbker Straße vor. Präsident Meier schlägt vor, die Anfrage dem LandesPräsidium zur Feststellung des Sachverhalts zu überweisen.
Abg. Köster (D. Bv.) bemerkt hierzu, daß die Tankstelle bereits im Bau wäre und soweit vorgeschritten wäre, daß er Bedenken gegen jede Verzögerung hätte. Es wäre daher dringend erwünscht, wenn die Anfrage baldigst erledigt würde.

26.2.1928 LT
Detmold – Das Gastwirtegewerbe bereitet eine Ausstellung vor und erwähnt Bemerkungen zum Stadtbild: „Gerade zu trostlos ist der Anblick der Anlagen am Bahndamme selbst. Schon daß die Tankstelle nicht schön aussieht, hat sich in der Nähe derselben auch noch ein Schuttabladeplatz gebildet.“

19.8.1928 LT
Lage – Eine neue Tankstelle ist in den letzten Tagen vor dem Geschäftshaus F. Mendorf angelegt. Nachdem bereits Tankstellen vor den Geschäftshäusern der Firmen Henneberg, Krüger, Hermann Meier, Stegelmann, Trippler, Barkemeier, Tacke und vor dem Gasthaus Lohöfener eingerichtet wurden, haben wir in der Stadt nunmehr 9 Stellen, an denen sich die Kraftfahrzeugfahrer mit Brennstoff versehen können. Die Anzahl der Tankstellen zeigt auch, wie stark der Verkehr in den letzten Jahren angewachsen ist.

Eigentlich ist die Geschichte hier zu Ende, doch drei Fundstellen sollen noch erwähnt werden.

War vielleicht die Feststellung der Gastwirte der Impuls zur Stadtgestaltung? In einer der folgenden Sitzungen der Stadtverordneten wird jedenfalls das Thema angesprochen.

15.9.1928 LT
Detmold – Stadtverordnetensitzung Stadtv. Grimm bittet, die Bäume auf dem Platze vor dem Volkshaus nicht zu entfernen, um für eine Tankstelle Platz zu bekommen.
Stadtv. Luttmann heat Bedenken gegen die Einrichtung einer Tankstelle.

31.10. 1928 LT
Donop – Tankstelle. Unsere Ortschaft ist um eine neue Einrichtung bereichert worden. Die Deutsch-Amerikanische Petroleumgesellschaft hat hier eine Dapolinpumpe errichtet, welche vor der Wohnung des Auto- und Fahrradschlossers W. Niere ihren Standort hat. Es ist dadurch einem großen Uebelstand abgeholfen und wird von den hiesigen Beziehern von Brennstoff freudig begrüßt. Auch dürfte die Anlage von durchreisenden Kraftfahrern und Automobilisten rege benutzt werden, zumal die Pumpe an der Landeschaussee Blomberg-Lemgo gelegen und durch ihre bequeme Lage einladend wirkt.

29.11. 1928 LT
Schönemark – Bei dem ständig steigenden Verkehr auf der großen Durchgangsstraße nach Detmold und Paderborn ist aus Kreisen der Kraftwagenbesitzer seit Jahr und Tag lebhaft darüber Klage geführt, daß auf der 10 Kilometer langen Strecke von Detmold nach Horn keine Möglichkeit zum Tanken vorhanden sei. Diesem Uebelstand ist jetzt durch die Aufstellung einer großen Tankstelle am Schönemarker Krug, also in der Mitte der Städte Detmold und Horn entsprochen worden. Die rege und täglich zu beobachtende Inanspruchnahme beweist, wie nötig derartige Anlagen im Zeitalter des Motors geworden sind

Hinweise zu den Markenbezeichnungen im obigen Text:
Die DAPG – Deutsch-Amerikanische-Petroleum Gesellschaft – war Vorläufer der späteren ESSO.
Unter dem Namen Dapol wurde Petroleum – Auf Lippisch Platt Steunölge – verkauft.
Dapolin war das heutige Normalbenzin.

Die beiden ersten Buchstaben von BV-ARAL stehen für: Benzol-Verkaufsvereinigung.
Das 1924 Chemiker Walter Ostwald entwickelte Benzol-Benzin-Gemisch war der erste Super-Kraftstoff.

Die Benzinwerke Rhenania G.m.b.H.fusionierten mit der Ossag (Ölwerke Stern-Sonneborn AG) und heißt heute Shell.

Der zweite Fall

Etwas böig war der Wind am späten Nachmittag des zweiten Tages im April 2025. Die erst vorwenigen Monaten gereinigte orange Kugel schwebt, gehalten von vier Seilen, über dem vom Kraut befreiten und neu bepflanzten Kreisverkehr im Norden von Detmold.

Ist es eine zu starke Windböe die zwei der vier Halteseile reißen lässt? Niemand ist in der Nähe und kann darüber Auskunft geben. Aber so kommt auch niemand zu Schaden als die Kugel, jetzt an zwei Seilen hängend, in ausladende Pendelbewegung kommt.

Aufmerksam und vorsichtig wird der Kreisel nach der nächsten Grünphase der Ampel am Nordring umfahren. Mindestens ein Autofahrer erkennt die Gefahr und alarmiert die Feuerwehr Detmold.

Der Kreisverkehr wird gesperrt, die beiden verbliebenen Seile werden gekappt und die Kugel von der Feuerwehr mit Spannbändern am Boden gesichert.

Die Kugel in der Morgensonne am wieder freigegebenen Kreisverkehr

Ein Foto von der noch ungesicherten Kugel stellt mir der Pressesprecher der Feuerwehr Detmold zur Verfügung.

Die Kugel am 2025-04-02 kurz vor 19:00 – Foto: C. Riecks
Mit Spannbändern gesicherte Kugel am 2025-04-17

Schon einmal lag die Kugel am Boden als die Halteseile dem Orkantief Jeanett am 27. Oktober 2002 nicht standhalten konnten. Den Bericht dazu kannst du hier lesen.
https://ln-1.de/2022/10/kugelplastik/

Feuerwehr, Landeszeitung und WDR berichten über der Fall.

https://www.feuerwehr-detmold.org/2025/04/03/rote-kugel-in-hoechster-gefahr-feuerwehr-verhindert-moeglichen-absturz/

https://www.lz.de/lippe/detmold/24073596_Detmold-Die-beruehmte-rote-Kugel-hing-am-seidenen-Faden.html

https://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/detmold-kugel-vor-absturz-gerettet-100.html

Nachtrag 2025-05-11 – Die Kugel ist weg!

In der vergangenen Nacht wurden von Unbekannten die Sicherungsseile gekappt, die Kugel rollte die Straße hinab, stieß gegen eine Laternenpfahl, rollte über die Nordring-Kreuzung und blieb auf der anderen Straßenseite im Straßengraben liegen.

Zum Glück ist niemand zu Schaden gekommen!

Fotos von diesem Unglück und der Bergung der Kugel darf ich mit OK von Feuerwehr Detmold und THW Detmold verwenden.

Feuerwehr Detmold – Marco Schweiger
Bergung der Kugel durch das THW – Foto: THW Detmold

Hier sind die Links zu den Presseportalen von Feuerwehr und THW.

https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/116239/6030882

https://www.thw-detmold.de/aktuelles-einsaetze/aktuelle-meldungen/artikel/rote-kugel-bergen

Das THW hat ein Video zum Bergungsprozess auf youtube veröffentlicht.

Bericht der LZ:
https://www.lz.de/lippe/detmold/24097397_Viele-Bilder-Zwei-Tonnen-schwere-Kugel-rollt-in-der-Nacht-ueber-Kreuzung-in-Detmold.html

2025-05 Nachtrag
Die Kugel befindet sich mittlerweile im Kugellager, einem Bereich auf dem Bauhof, gelagert auf dem quadratischen Balkenrahmen, der extra für den Transport angefertigt wurde. Da liegt sie stabil und aufgrund des tief liegenden Lagerplatzes kann sie von dort nicht weggerollt werden.

Die Kugel im Kugellager

Am 2025-05-13 schreibt die LZ in der Überschrift von einer tonnenschweren Betonkugel, weiter unten im Artikel schreibt die Redakteurin von einer rund 4,5 Meter großen Stahlkugel.

2025-05-13 Landeszeitung

Ohne Antwort blieb die Bitte an die Redakteurin!
Rechnen Sie nur mal überschläglich:
Dazu benötigen Sie nur die Volumenformel der Kugel sowie die Dichte von Beton. Das kann also keine massive Kugel sein.
Eine Hohlkugel aus Beton? Die wäre bei wenigen Zentimeter Wandstärke kaum zu fertigen.

2025-07 Nachtrag
Aus der Pressemitteilung der Stadt Detmold vom 2025-07-02
Die von der Künstlerin Gabriele Staarmann geschaffene „Rote Kugel“ wird künftig wieder im Stadtgebiet von Detmold präsent sein. Bürgermeister Frank Hilker, Gabriele Staarmann, Kämmerin Dr. Miriam Mikus und Corinna Rox, Leiterin des Fachbereichs für Kultur-, Tourismus und Marketing der Stadt Detmold, haben jetzt über das weitere Vorgehen gesprochen. …
Nachdem die Kugel am 11. Mai gesichert worden war, hatten die Künstlerin und die Stadt Detmold vereinbart, gemeinsam über das weitere Vorgehen zu beraten. Dazu fand jetzt ein Termin im Detmolder Rathaus statt. Künstlerin und Bürgermeister waren sich dabei schnell einig, dass das Kunstwerk an anderer Stelle in Detmold wieder errichtet werden soll. Wie bei der ersten Installation im Jahr 2002 soll die Kugel für den Aufbruch in etwas Neues stehen. Wie und wo genau das Kunstwerk präsentiert wird, werden sich Gabriele Staarmann und der Verwaltungsvorstand über den Sommer überlegen, danach werden die Gespräche fortgesetzt.
Die Pylonen, die die Kugel am Kreisel der Richthofenstraße gehalten hatten, sollen an Ort und Stelle mit einer neuen Installation versehen werden. Auch dazu will man gemeinsam neue Ideen und Konzepte entwerfen.

2025-12 Nachtrag
Comeback für die rote Kugel

so lautet die Überschrift zu einem Artikel in der LZ am 2025-11-29. Dort ist u.a. zu lesen:

Die Stadt hat zusammen mit der Künstlerin einen neuen Standort gefunden. … Die markante Kugel [soll] den geplanten Kreisverkehr am Eingang zum neuen Gewerbegebiet „Alte Ziegelei“ in der Nähe der Bielefelder Straße zieren. … Die Integration des Kunstwerkes [kann] von Anfang an sicher geplant werden. Die Gefahr eines erneuten Wegrollens lässt sich so direkt bauartbedingt ausschließen.

Das wäre jedoch mit einer minimalen Umgestaltung am bisherigen Standort durch eine waagerechte Nivellierung der Mittelinsel im Kreisverkehr auch möglich gewesen. Aber bei der „schwebenden“ Kugel soll auch ein nochmaliges Fallen verhindert werden. Daher wird die Kugel auf dem noch zu bauenden Kreisel auf der Bielefelder Straße einfach eingegraben. 
Die Kugel wird „eingetieft“ so formuliert es der Pressesprecher der Stadt im Lokalzeit OWL Interview am 2025-11-28. Wie tief die Kugel im Boden verschwinden wird, damit sie nicht wegrollen kann, ist bisher nicht bekannt.

Smog in Ostwestfalen

SMOG IN OSTWESTFALEN NUR AUF DEM BILDSCHIRM
So lautet der Text einer Karikatur von Egon Körbi, der mehr als drei Jahrzehnte als EKÖ für die Freie Presse, die Neue Westfälische und die Lippische Landes-Zeitung als Karikaturist gearbeitet hat.

Karikatur von EKÖ – Lippische Landes-Zeitung – 1985-01-19

Am 15. Januar 1985 um 6:26 war plötzlich Stille im Radio. Keines der WDR Programme ist zu empfangen, ein Blick aus dem Wohnzimmer in Richtung Hermann, das vertraute Signallicht am Sendeturm auf dem Bielstein ist erloschen. Die haben wohl Stromausfall – so der erste Gedanke. Als es hell wird zeigt sich jedoch: Nicht nur das Warnlicht ist ausgefallen. Der Sendemast ist nicht mehr zu sehen.

Die Sendeanlage war erst knapp 15 Jahre vorher, nach langer Planung im Juni 1970 in Betrieb genommen worden.
Ein schönes Bild vom Sendemast hat die Firma Luftbild Kirchner + Wolf aufgenommen. Die Rechte für das Bild liegen mittlerweile beim Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr.

Bereits um 14:50 desselben Tages ist für das Programm WDR 2 eine provisorische Lösung gefunden. Der Sender Hünenburg in Bielefeld strahlt das Programm aus und die Technikabteilung des WDR geht davon aus im Februar über einen provisorischen 85 m Mast auf dem Bielstein das 1. Programm wieder zu senden.

Viele Informationen zur Geschichte des Senders und den Ursachen, die zum Einsturz führten kannst du in einer informativen Schrift des WDR nachlesen. Den Link findest du am Ende dieses Artikels bei den Quellenangaben.

Im September 1986 war „Der neue 300er“ fertig und die Rundfunkprogramme des WDR sowie das 1. Programm (ARD-Fernsehprogramm) können wieder in entsprechender Qualität empfangen werden.

Mehr zur Geschichte von Rundfunk und Fernsehen in OWL gibt es vielleicht demnächst.

Quellenangaben:
Lippische Landes-Zeitung, WDR Archiv – https://www1.wdr.de/sendemastpdf100.pdf

Heuer Ampel

In den 1950er Jahren wurden mit zunehmendem Verkehr auf den Strassen in Detmold mehrere Heuer-Ampeln zur Regelung des Kreuzungsverkehrs in Detmold installiert. Bis zum Beginn der 1970er Jahre waren diese Ampeln z.T. noch in Betrieb bevor sie durch moderne Ampelanlagen mit Lichtsignalen ersetzt wurden. Die Bezeichnung Heuer-Ampel geht auf den Erfinder Josef Heuer zurück, der sie in den Jahren 1928/1929 entwickelte.

Foto: Guido Straube

Auf einem Foto aus den 1970er Jahren ist die Heuer-Ampel über der Kreuzung Lange Strasse Rosental zu sehen. Links siehst du das Grothe-Haus und gegenüber das Gebäude der ehemaligen Fürstlichen Akademie mit der Verwaltung der Lippischen Landesbrand.
1972 war das offizielle Ende für Heuer-Ampeln in der Bundesrepublik. Die Detmolder Heuer-Ampel war die letzte funktionsfähige Heuer-Ampel in der Bundesrepublik.

Foto: Rainer R. Stephan

Nach der Deinstallation der Heuer-Ampel wurde sie vor dem Gebäude der Polizeidienststelle im Johanettental aufgestellt.

In einem Projekt hat die Abteilung Verkehrsplanung-Verkehrstechnik der Technischen Hochschule OWL die Ampel komplett restauriert und im Jahr 2009 auf dem Campus Emilienstrasse installiert.
Eine reich bebilderte Dokumentation findest du bei der TH OWL.

Heuer-Ampel am Campus Emilienstrasse Foto: ln-1.de

Die Recherchen zum Foto der Kreuzung Lange Strasse Rosental führten zu einer Begegnung mit Guido Straube und interessanten weiteren Informationen zu den Heuer-Ampeln in Detmold. Seine Fotosammlung ist an das Stadtarchiv Detmold übergeben worden. Auf den dort archivierten Fotos sind weitere Ampel-Standorte zu sehen. Bemerkenswert ist die Doppel-Heuer-Ampel im Kreuzungsbereich Lange Strasse – Paulinenstrasse – Neustadt. Aufgrund der besonderen Kreuzungssituation war jeweils eine Seite der Ampel durch eine Kreisscheibe abgedeckt.

Quelle: Stadtarchiv Detmold

Bereits im Jahr 1938 schreibt die Firma Heuer-Hammer an die Stadt Detmold und bewirbt die von ihr produzierten Ampeln, verbunden mit einem Hinweis auf bereits installierte Ampeln in Lage, Bad Salzuflen, Herford, Bielefeld, …
Anhand der Dokumente zum Umbau der Kreuzungssituation am Hornschen Tor ist zu vermuten, dass die beiden Heuer-Ampeln dort Anfang der 1950er Jahre installiert wurden.

Quelle: Stadtarchiv Detmold

Nachdem sich im Kreuzungsbereich Paulinenstrasse-Bismarckstrasse ein schwerer Verkehrsunfall ereiget hatte, gab es eine Leserzuschrift an die Lippische Landes-Zeitung vom 4. Dezember 1953. Zitate daraus:
– Das Überschreiten der Strasse ist lebensgefährlich.
– Die Ampel hoch über der Kreuzung gefährdet den Verkehr.
– Die Fahrer richten den Blick nach oben, umso mehr je näher sie an die Kreuzung kommen.
– Fort mit diesen rückständigen Ampeln.

In Lage war seit den 1930er Jahren eine Heuer-Ampel installiert und zwar an der Kreuzung Lange Strasse – Friedrichstrasse. Dazu gibt es eine alte Ansichtskarte aus den 1950er Jahren. Die Ampel war bis in die 1960er Jahre in Betrieb.

Heuer-Ampeln in Bad Salzuflen und in Lage, da darf doch Lemgo nicht fehlen. Bereits 1934 wurde überlegt, an der Kreuzung Mittelstrasse-Kramerstrasse-Heutorstrasse eine Ampel zu installieren. Es gab eine Anfrage vom Stadtbauamt an die Firma Heuer-Hammer mit der Bitte um Referenzen sowie dem Wunsch, solche Ampelanlagen in anderen Städten anzusehen und sich dort nach Erfahrungen zu erkundigen. Dem Antwortschreiben ist der Preis zu entnehmen, 1800 RM für die Ampel un 265 RM für Kabel, Aufhängung, …
In Warendorf waren zwei Heuer-Ampeln in Betrieb, die bei der Bevölkerung nicht auf Akzeptanz stiessen und die örtliche Presse diese ablehnende Auffassung stützte. Daraufhin bot die Stadt Warendorf an, eine der Ampeln zu einem günstigen Preis an die Stadt Lemgo zu abzugeben.

Quelle: Stadtarchiv Lemgo
Anstelle einer Heuer-Ampel hängt über der Kreuzung Mittelstrasse-Kramerstrasse-Heutorstrasse
ein Lichtsignal und zeigt eine Gewindigkeitsbegrenzung an.

1954 wurde in Lemgo nochmals überlegt, eine Heuer-Ampel zu installieren, diesmal an der Kreuzung Breite Strasse-Schuhstrasse. Nach der Währungsreform kostet die Ampel 3280 DM und die Zusatzkosten belaufen sich auf 525 DM. Die Firma Heuer zeigt sich sehr interessiert und bietet der Stadt Lemgo ein verlängertes Zahlungsziel an.
Soweit bekannt, wurde in Lemgo jedoch nie eine Heuer-Ampel installiert.

In Bad Salzuflen wurde im Jahr 1936 an der Kreuzung Steege – Lange Str. – Herforder Str. in Betrieb genommen.

Foto: Rudolph Wilcke – Stadtarchiv Bad Salzuflen Sign. FA 1

Die Ampel war bis 1960 in Betrieb. Der Versuch die Ampel über den Städtebund NRW einer anderen Gemeinde zu verkaufen hatte keinen Erfolg. Daher wurde die Ampel auf dem Bauhof eingelagert.

Im Kommunalarchiv Herford finde ich ein interessantes Bild der Heuer-Ampel am Lübbertor aus dem Jahr 1948. Diese Ampel steht auf einem kleinen Sockel in der Mitte der Kreuzung.

Foto: Georg Heese Quelle: Kommunalarchiv Herford
Unterhalb der Wegweiser erkennst du die Fussgängersignale: Gehen Stehen.
Am Sockel sind kleine Hinweisschilder zu sehen: Kein Kreisverkehr .

2022-11 Nachtrag
Im Stadtarchiv Lage finden sich weitere interessante Informationen zum Thema.

  • Die Ampel in Lage stammt aus dem Jahr 1936.
  • Die Firma Heuer-Hammer wirbt in den Jahren 1959/1951 für ein Blinklicht unterhalb der Ampel.
  • 1949 beantragt ein Kaufmann aus Hamburg die Entfernung der Ampel. Der Kreis Detmold lehnt diesen Antrag ab.
  • Die Firma Heuer-Hammer entwickelt ein Verkehrsschild mit dem auf Kreuzungen mit Heuer-Ampel hingewiesen wird.
Hinweisschild auf eine Kreuzung mit Heuer-Ampel in Köln – Stadtarchiv Lage AII 1583

Quellen:
Stadtarchiv Detmold, Stadtarchiv Lemgo, Stadtarchiv Lage, Stadtarchiv Bad Salzuflen, Kommunalarchiv Herford

Wärmespeicher

Mehr als fünf Jahre von der Idee über die Planung bis zur Einweihung – so lange dauerte es bis der Wärmespeicher der Stadtwerke Detmold im September 2021 das Stadtbild bereichert.

Fotos: ln-1.de

Technische Daten:
Höhe: 26,5 m
Durchmesser: 10 m
Volumen: 1850 m3

Mit der WebCam auf dem Speicherturm hast du einen Blick über Detmold bis zum Hermannsdenkmal.

Auf meinen Fotos vom Beginn der Bauphase im Sommer 2019 ist zu sehen, dass der Turm parallel in zwei Teilen vor Ort erstellt wurde. Vom Zusammenbau der beiden Teile findest du ein Bild im Archiv der Lippische Landes-Zeitung vom 2019-10-22
Weitere Bilder gibt es auf der Infoseite der Stadtwerke Detmold.

Im Jahr 2016 erfuhren die Detmolder von den Plänen der Stadtwerke für den aus energiewirtschaftlichen Gründen erforderlichen Wärmespeicher und sofort wurde diskutiert ob der Standort richtig gewählt sei, ob das Stadtbild beeinträchtigt würde, ob vielleicht damit ein Aussichtsturm in der Stadt realisiert werden könne, …

Um die Dimensionen beurteilen zu können, wurde für einige Tage ein Gerüst mit entsprechenden Abmessungen auf dem Bahngelände installiert.

Die Hochschule OWL entwickelte diverse Beleuchtungskonzepte, es gab eine Bürgerbefragung zur Gestaltung des Zylindermantels und eine VR-Brille um den Speicher virtuell erlebbar zu machen.

Kundenmagazin 2-2016

Drei Gestaltungsalternativen (u.a. schlicht und technisch affin: rot-blau) standen zur Auswahl; Sieger wurde das „Tapetenmuster“, gewählt von 38% von 700 teilnehmenden Detmoldern.

Schnell verabschiedeten sich die Planer von der Wendeltreppe um den Turm denn diese war nicht barrierefrei. Ebenso schnell wurden die Gestaltungsvorschläge der Hochschule ad acta gelegt; diesmal aus Kostengründen.

2018 wird das von den Stadtwerken überarbeitete Design vorgestellt. Das ist deutlich technisch akzentuiert mit Pastellfarben in Rot- und Blautönen und hebt sich positiv von den ursprüglichen Gestaltungsideen ab. Anstelle der Wendeltreppe gibt es jetzt die Idee einen Fahrstuhl neben den Turm zu stellen von wo aus eine umlaufende Aussichtsgalerie erreicht werden kann. Diverse Fragen wie z.B. Zugang zu Fahrstuhl und Galerie, Aufsichtspflicht, Ticketkosten, … führen dazu, dass auch diese Idee wieder verworfen wird.

Dafür gibt es jetzt die WebCam und vielleicht in Zukunft auch einmal die avisierten Monitore in der Bahnunterführung um so zumindest virtuell auf dem Turm zu stehen.

Im Februar 2020 sorgte das Thema „Reklame“ für Diskussionen. Reklame für die Stadtwerke in 18 Metern Höhe? Erlaubt ist laut Bebauungsplan doch nur eine Montagehöhe von drei Metern.
Also wird kreativ festgestellt, dass der Turm ein „Technisches Bauwerk“ ist und die Vorgaben für Wohn-und Geschäftshäuser nicht anzuwenden sind.

Im Mai 2020 ist die farbliche Fassade am Wärmespeicher montiert.
Mit Bedauern registriert der interessierte Besucher ein erstes Graffiti.

Mittlerweile sind auch die Beamer zur Projektion von Beleuchtungseffekten in Betrieb. Bleibt zu hoffen, dass sich niemand durch die ungewohnten Lichter in seiner Nachtruhe gestört fühlt.

Leider habe ich keine Bilder von der Einweihungsfeier im August 2021.

Quellen: Lippische Landes-Zeitung, Stadtwerke Detmold

interessantes und belangloses aus detmold und umgebung