Flugzeugtaufe

Mit dem Rekordflug von Robert Kronfeld, der am 15. Mai 1929 mit der Landung am Königsberg in Detmold den ersten Segelflug über eine Distanz von 100 km erzielte, kam die Begeisterung für die Fliegerei und insbesondere den Segelflug auch nach Lippe. In Detmold, Oerlinghausen, Barntrup, Lage, … entstanden Fliegergruppen, wurden Luftsportvereine gegründet, Flugzeuge und Flugzeugmodelle gebaut. Zwar hatte bereits 1911 der „Detmolder Flugtag“ stattgefunden und das Interesse an der Luftfahrt war seit den ersten Motorflügen der Gebrüder Wright und den ersten Gleitflügen von Otto Lilienthal auch im Lipperland vorhanden. Doch mit dem Ende des 1. Weltkrieges wurde der Motorflug in Deutschland für fast ein Jahrzehnt verboten und nur die Idee des motorlosen Fluges konnte von den Flugpionieren weiterentwickelt werden.

Vier Jahre nach Kronfelds Flug waren die Nationalsozialisten an der Macht und griffen sofort die Begeisterung der Jugend für die Fliegerei auf. Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung (Bernhard Rust) schreibt unter dem Betreff: „Pflege der Luftfahrt in den Schulen“: „… müssen fliegerisch begabte Schüler der höheren Schulen und der Berufs- und Fachschulen vom 16. Lebensjahr ab dem praktischen Segelflugsport zugeführt werden.“ (LAV Detmold L 80 III Nr. 4811)
Die Flieger-HJ, erkennbar als gesonderte Gruppe der HJ durch eine graublaue Uniform mit dem Abzeichen des DLV auf dem Ärmel, lernte mit dem Bau von Modellflugzeugen die berufsspezifischen Fertigkeiten eines Flugzeugbauers.

In der Segelflugwerkstatt in der Arminstraße in Detmold bauten die Jugendlichen mit den erworbenen Kenntnissen aus dem Modellbau unter fachlicher Anleitung ein „richtiges“ Segelflugzeug vom Typ Zögling. (Lippische Staatszeitung 13.05.1936)

Die Zeitschrift „Der Teutoburger Wald“ berichtet im Juni 1935 über Flugzeugtaufen im Lipperland.


Im Stadtarchiv Lage gibt es Fotos einer Flugzeugtaufe auf dem Jahnplatz in Lage.
Zu sehen ist ein Flugzeug vom Typ Grunau 8 das auf den Namen Saarland getauft wird.

Die Lippische Staatszeitung berichtet am 4.6.1934 unter der Überschrift:

Stellvertretender Staatsminister Wedderwille hielt die Taufrede. Er sagte Dank für die unermüdliche Arbeit des Berufsschullehrers Uekermann und des Berufsschulleiters Köller, die trotz aller Widerstände den Fluggedanken in Lage schon seit Jahren vorantrieben. Aber auch die Mitglieder der Fliegerortsgruppe seien nie müde geworden in ihrer Arbeit. Das Ergebnis dieser opferfreudigen Arbeit sei das heute zu taufende Flugzeng. Nach weiteren Ausführungen über den Flugsportgedanken folgte der Taufakt.
Pg. Wedderwille wies darauf hin, daß jetzt endlich die Volksabstimmung im Saargebiet stattfinde und die dortigen Volksgenossen mit unendlicher Sehnsucht diesen Termin herbeisehnten. Weithin hallten die Taufworte über den Platz: „Als Zeichen der Verbundenheit des Saarlandes mit dem Deutschen Reiche taufe ich dich „Saarland“!“ Eine Flasche Sekt zerschellte krachend am Flugzeugrumpf, …


Ein Jahr später – wieder auf dem Jahnplatz
Die Lippische Staatszeitung weist am 02.06.1935 auf die nächste Flugzeugtaufe in Lage hin und kündigt den Besuch von hochrangigen Personen an.

Am 04.06.1935 folgt in derselben Zeitung ein ausführlicher Bericht (u. a. mit den Namen diverser Nazigrößen) über die Feier: „…taufte Brigadeführer Faßbach den neuen 12-Meter-Zögling auf den Namen Hermann Pantföder“.

Wer war Hermann Pantföder?
https://www.kreisheimatverein.de/online-bibliothek/biografien-2/pantföder/

Wer sind die genannten „Führerpersonen“?

Brigadeführer Faßbach
Paul Faßbach war ab Januar 1935 Führer der SA-Brigade 65 in Detmold und wurde später Landespolizeiführer
https://lippelex.de/index.php?title=Faßbach,_Paul_(1897-1945)
https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Faßbach

Standartenführer Werder
./.

Fliegerschwarmführer von Fabrice   (Viktor?)
./.

Berufsschullehrer Uekermann
Karl Uekermann, Führer der Fliegerortsgruppe Lage

Berufsschulleiter Köller
./.

Kreisleiter Prüßner
August Prüßner, Kreisleiter im Kreis Lemgo
https://lippelex.de/index.php?title=Prüßner,_August_(1895-1970)

Kreisleiter Wedderwille
Adolf Wedderwille, Kreisleiter Kreis Detmold
https://lippelex.de/index.php?title=Wedderwille,_Adolf_(1895-1947)

Bürgermeister Wedderwille
Wilhelm Wedderwille, Bürgermeister in Barntrup
https://lippelex.de/index.php?title=Wedderwille,_Wilhelm_(1893-)

Bürgermeister Ullrich
Friedrich Ullrich, Bürgermeister in Horn:
https://lippelex.de/index.php?title=Ullrich,_Friedrich_(1898-1957)


Nach 1945 wurde „entnazifiziert“ um ehemalige Nazis in „Hauptschuldige“, „Belastete“, „Mitläufer“ einzustufen. Viele Dokumente aus diesen Verfahren sind in den letzten Jahren digitalisiert worden und du kannst Entnazifizierungsakten bei Archive NRW online lesen.
So musst du vorgehen:
Rufe die Archivseite http://archive.nrw auf und gib im Suchfeld „Entnazifizierung August Prüßner“ ein, wähle den richtigen August aus, klicke dann auf das kleine Bildsymbol links und du gelangst zu dieser Seite:
https://dfg-viewer.de/show?tx_dlf%5Bdouble%5D=0&tx_dlf%5Bid%5D=https%3A%2F%2Fwww.landesarchiv-nrw.de%2Fdigitalisate%2FAbt_Rheinland%2FNW-Bestaende%2FNW_1056%2F~001%2FNW_1056-00106%2Fmets.xml

Hexenstein

Auf der rechten Seite der Extertalstraße von Barntrup nach Rinteln findest du in Fütig im Siegbachtal einen kleinen Wanderparkplatz. Im Naturschutzgebiet „Tal der Exter“ beginnt dort der Patensteig, ein Rundweg durch mehrere Schluchten, die vor Jahrtausenden in der Eiszeit entstanden sind und heute von drei kleineren Bächen durchflossen werden.

Für Kinderwagen ist der Patensteig nicht geeignet! Dieser Hinweis vom Patensteigteam, einer Gruppe von Ehrenamtlern die den Steig pflegt und betreut, ist direkt am Einstieg zum „Wanderweg“ durch einige Stufen zu erkennen.

Drei Wasserfälle, je nach Jahreszeit mehr oder weniger beeindruckend, liegen am 6 km langen Wanderweg, der von Schlucht zu Schlucht über lichte Hochflächen führt und wunderschöne Aussicht über das Extertal bietet.

Der Patensteig im Extertal – Kartenausschnitt aus Land des Hermann

Unzählige Findlinge hat die Eiszeit hier zurückgelassen und bereits 1926 wurde das Gersiektal unter Naturschutz gestellt. Aus Langeweile (so die Info auf einer Hinweistafel) oder vielleicht zur Errichtung von Straßensperren wurden zum Ende des Krieges 1945 mehrere Findlinge von Soldaten der Wehrmacht gesprengt. Doch bereits schon zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurde gegen die Regelungen des Naturschutzes verstoßen! Eine Infotafel macht darauf aufmerksam.

Infotafel zum Hexenstein

Zum Namen des Findlings ist in den Mitteilungen aus der lippischen Geschichte und Landeskunde 1953 zu lesen. Dort werden Lippische Volksbräuche beschrieben.
In Gersiek bei Fütig im Extertal lag bis 1933 der über tausend Zentner schwere „Hexenstein“ (jetzt Kriegerdenkmal auf dem Kollegienplatz in Rinteln). Auf ihm tanzten die Hexen des unteren Extertales in der Mainacht. Es hieß auch, der Teufel spielte mit seinen Kujonen Karten auf der Platte („Puckfeots Skatdisk“). Unter dem Granitblock war das Gemach der Freimaurer. Beim Ersten Hahnenschrei in der Walpurgisnacht drehte er sich einmal um sich selber.

Im Lippischen Dorfkalender 1936
findest du einen Bericht zum Hexenstein.

 Achtet auf die Naturdenkmale und den Schutz der Landschaft! So lautet der Appell in einem Bericht im Mittteilungsblatt des Lippischen Heimatbundes von 1958.

Die Suche nach aktuelleren Informationen führt zu einem Bericht in der Lippischen Landeszeitung vom 2008-04-18. In diesem Zeitungsartikel wird u.a. die 1938 der in den Stein gemeißelte Text „Klagt nicht! Kämpft!“ erwähnt und die Frage aufgeworfen, ob ein Schulhof der geeignete Ort für einen solchen Stein sei.
Hexenstein ist eine schwere Last
Protest in Rinteln gegen Meierberger Findling mit Weltkriegs-Inschrift
Den Text findest du bei www.hiergeblieben.de unter dem folgenden Link.
http://www.hiergeblieben.de/pages/textanzeige.php?&id=18857

Die Schaumburger Zeitung – Schaumburg-Lippische Landeszeitung (SZLZ) berichtet am 2021-01-06 unter dem Titel:
Technische Meisterleistung: Wie der „Hexenstein“ 1933 nach Rinteln kam
Leider ist der Artikel ohne Abo nicht zu lesen.
https://www.szlz.de/lokales/schaumburg/rinteln/technische-meisterleistung-wie-der-hexenstein-1933-nach-rinteln-kam-A7AZBA5BC2767Z6E6Z5Z2AC7DA.html
Leider ist der Artikel ohne Abo nicht zu lesen, u.a. wird berichtet wie der Stein freigelegt und verladen wurde. … Dann begann ein politisches Hick-Hack; die Lippische Landesregierung wollte den Transport ins „Ausland“ nicht genehmigen. … Propagandaminister Josef Goebbels intervenierte.

Historische Bilder vom Hexenstein hat das Stadtarchiv Rinteln und stellt einige davon freundlicherweise für die Nutzung auf dieser Internetseite zur Verfügung.
Zum Dank hier ist der Link zum Universitäts- und Stadtmuseum Rinteln – Die Eulenburg.
https://eulenburg-museum.de

Vom Museum nicht weit entfernt liegt am Kollegienplatz die Hildburgschule Rinteln. Dort findest du den Hexenstein aus den Extertal.


Quellenangaben:
Digitale Sammlungen der LLB Detmold
Stadtarchiv Rinteln
SZLZ – Schaumburger Zeitung Landeszeitung Rinteln
Lippe Tourismus & Marketing GmbH – Land des Hermann

2025-09 Nachtrag
L. W., der NSDAP-Ortsgruppenleiter von Barntrup ließ 1933 einen Findling vom Meierberg als „Hitlerdenkmal“ in Barntrup aufstellen. (Info aus der SZLZ)
Zu diesem Findling gibt es einen Beitrag für den „Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten“ der Körber-Stiftung von einem Schüler der Klasse 10 vom Gymnasium Barntrup, der im Wettbewerbsjahr 1993 von der Körber-Stiftung mit einem Preis ausgezeichnet wurde.
https://koerber-stiftung.de/projekte/geschichtswettbewerb/preistraeger-innen/denkmal-erinnerung-mahnung-rgernis/der-hitlerstein-in-barntrup-zwischen-erinnerung-und-verrgernis/
http://www.westfaelische-geschichte.de/lit3363

Ellernkruglied

Kaum war der Befehl entstanden
sammelt sich die edle Schar
Offiziere, Aspiranten
und was sonst bei Hofe war,
ziehn erfüllt mit Kampfbegier
wohlverwahrt ins Jadrevier,
und im Geiste sehn sie schon
ihres Weidwerks schönsten Lohn.
Has und Huhn, nehmt euch in acht
denn nur Vollblut heute jagt!
Doch vergeblich war die Freude,
und es wurde Mittagszeit;
zu der Jäger größtem Leide
war kein Wildbret weit und breit;

Hier findest du den vollständigen Text vom Ellernkruglied das einen Konflikt zwischen Adel und Bauernstand humorvoll beschreibt.
https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/pagetext/20116948

Der Ellernkrug um 1900 – drei Jahrzehnte nach der Belagerung
Postkarte – Text verpixelt – Quelle: LLB Detmold ME-PK-16-8

Die Sonntagspost, eine Wochenzeitung aus Lemgo berichtet in Nr. 40 am 1. Oktober 1871 unter der Überschrift „Der erste Jagdtag in Lage“ über ein Geschehen am Ellernkrug. Autor ist H. Moritz aus Lage.
Im Interesse des auswärtigen Publicums, und um den abenteurlichen Gerüchten, wozu die Vorgänge des ersten Jagdtages gewiß viele Veranlassung geben würden, vorzubeugen, giebt der Unterzeichnete, als Augenzeuge und Theilnehmer, nachstehend ein kurzes, wahrheitsgetreues Referat.

https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/5256780
Im weiteren Verlauf schreibt der Autor:
Vergnügt und gutes Muthes gingen wir hierauf dem Jagdvergnügen weiter nach und begaben uns dann etwa gegen 2 Uhr Nachmittags, nachdem bereits die meisten Nichtjäger ruhig zu Hause gegangen, wieder nach dem Ellernkruge, um uns ein Wenig zu erquicken. Kaum waren wir 10 Minuten dort, als wir eine ganze Compagnie Soldaten mit dem Cab.= Rath v. Meisenbug und dem Gensdarmeriechef an der Spitze im Anmarsch sahen, welche in Blitzesschnelle -unglaublich, aber wahr!- den ganzen Ellernkrug in doppelter Linie umstellten und einschlossen, um ihn kunstgerecht zu belagern oder um uns gefangen zu halten; alle hatten scharf geladen und waren, wie uns versichert wurde, außerdem ein jeder mit 20 scharfen Patronen versehen.

https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/5256781
Im Regierungs= und Anzeige-Blatt vom 3.10.1871 erscheint eine Erklärung des Cabinetts-Rathes. Darin stellt C. von Meysenbug fest, daß er „am 25. September 1871 Detmold überhaupt nicht verlassen habe.“

Derselbe Text erscheint in der folgenden Sonntagspost Nr. 41 und ebenso eine „Berichtigung und Aufklärung“ durch den Autor H. Moritz.

Zeitungen aus dem Rheinland und Westfalen berichten im Oktober 1871 über das Geschehen am Ellernkrug in im kleinen Fürstentum Lippe.
Bürger-Zeitung (Minden) – Der Wächter (Minden-Ravensberg) – Hagener Zeitung – Essener Zeitung – Volks-Zeitung (Essen) – Echo der Gegenwart (Aachen) – Bonner Zeitung – Bielefelder Wochenblatt

Unter der Überschrift „Lippische Jagd=Plauderei“ findest du in „Der Wächter“, der Wochenschrift für Minden und Ravensberg
einen Dialog zwischen Hase und Rebhuhn am Ellernkrug
https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/4990592?query=Ellernkrug

In der Plenarsitzung am 20. November 1871, brachte der nationalliberale Abgeordnete Dr. Erhardt im Reichstag eine Anfrage ein, ob dem Reichskanzler bekannt sei, dass im Fürstentum Lippe Personal des Reichsheeres zum Einschreiten gegen die eigene Bevölkerung gebraucht worden sei, und wie der Reichskanzler hierauf gegenüber der lippischen Regierung zu handeln gedenke.
https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/15448325
https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/4990664?query=Erhardt

Die Sonntagspost schreibt dazu in der Ausgabe Nr. 50 vom 10.12.1871

https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/5256843

Zum 100. Jahrestag Arnold Ebert, Vorsitzender des Lippischen Heimatbundes in Heimatland Lippe einen lesenswerten Beitrag:
https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/periodical/pageview/5868922

Erinnerungen an die Belagerung gibt es mit folgenden Beiträgen:
25.09.1927 https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/20116933
22.10.1927 https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/20117074?query=ellernkruge
12.07.2015 https://www.lz.de/lippe/lage/20510874_Kriegerische-Posse-machte-Ellernkrug-im-ganzen-Land-bekannt.html

Einen Übersichtsartikel zur Belagerung des Ellernkruges findest du in LippeLex:
https://lippelex.de/index.php?title=Belagerung_des_Ellernkruges_(1871,_25._September)

Eine Seite zum Ellernkrug findest du im Lippe-Häuser-Wiki:
https://www.lippe-haeuser-wiki.de/wiki/Detmolder_Straße_315 (Heiden)

Super 8

Super 8 war ein beliebtes Format für Amateurfilme. Dieses sowie andere Medien sammelt das LWL Medienzentrum, archiviert diese Medien, digitalisiert und publiziert historisch wertvolle Bild- und Tondokumente auf den Seiten des LWL sowie auf dem youtube-Kanal des LWL.

Im März 2025 wurde die Dokumentation „Unterm Hakenkreuz“ im Stadtarchiv Detmold vorgestellt und das zugehörige Video gezeigt.

Hier ist für dich die Links zum Film, dem LWL-Medienzentrum und dem LWL youtube-Kanal.

https://www.youtube.com/user/LWLMedienzentrum

https://www.lwl-medienzentrum.de/de/medien-aus-der-region

Ludwig Altenbernd

Eine kleine verwitterte Gedenktafel an einem am Rand der Innenstadt gelegenen Haus an der Grabbestraße in Detmold erinnert an „des Lipperlandes begeistertster Sänger“ Ludwig Altenbernd.

ca. 1920
2024

Zu Ehren von Ludwig Altenbernd wurde 1921 in Detmold eine Straße benannt. Das Schild mit der Aufschrift Altenberndstr. an einer der Seitenstraßen der Woldemarstraße lässt uns dagegen im Unklaren und wir müssen uns selber schlau machen.

Bei LippeLex erfahren wir: Ludwig Altenbernd war ein lippischer Heimatdichter, Privatlehrer und Rechnungsbeamter.
Sein Vater war Dorflehrer in Augustdorf. Ludwig war noch kein Jahr alt, da wurde er Opfer eines Unfalls, in dessen Folge beide Füße gelähmt wurden.
Er wurde unterrichtet von Vater, Bruder und einem Hilfsprediger und nahm an Lehrerkonferenzen im Elternhaus teil; so eignete er sich umfassende autodidaktischer Bildung an in neueren Sprachen und Arithmetik.
Als Erwachsener zog er nach Detmold, wo er als Privatlehrer und Rechnungsbeamter an der fürstlichen Kammer bei der Regierung in Detmold tätig war. Er wohnte in einem Haus in der heutigen Grabbe-Straße. Als Autor veröffentlichte er vor allem Natur- und Heimatgedichte; Inspiration fand er bei Ausritten. Er wirkte auch als Übersetzer und bot Unterricht an.

Anzeigeblatt 1854 Nr. 19 S. 308
Texte von L. Altenbernd
Bilder von L. Menke

Im Jahr 1871 erschien ein Werk mit „Tabellen zur Verwandlung des lippischen Masses und Gewichts in metrisches Mass und Gewicht, sowie zur Umrechnung der Preise“, das er im Verlauf seiner beruflichen Tätigkeit entwickelt hatte.

Ludwig Altenbernd starb am 11.04.1890 in Detmold. Er ist auf dem Schorenfriedhof an der Blomberger Straße in Detmold begraben. Das Ehrengrab findest du in der Abteilung F Nummer 608.

Im wikipedia Beitrag zu Ludwig Altenbernd findest du ein Bild von einem Gedenkstein in Augustdorf. Du findest diesen Gedenkstein am Rundwanderweg Augustdorf, ca. 500 m Richtung Norden vom Spiel- und Bolzplatzplatz am Triftenweg.

Gedenktafel – Grabbestraße
Gedenktafel – Augustdorf

Das Geburtsdatum von Ludwig Altenbernd kannst du auf den Gedenktafeln lesen und dir fällt sicherlich ein kleiner Unterschied auf. Dieser Fehler basiert auf einem Text von Auguste Deppe, geb. Altenbernd im Jubiläumsband von 1919.

Textauszug Jubiläumsband

Hier kannst du den gesamten Text lesen: Bibliothek der Uni Paderborn
Bei LippeLex ist die Fundstelle zum korrekten Datum angegeben.
Lt. Kirchenbuch Augustdorf ist Ludwig Altenbernd am 24.11.1818 geboren.

Quellen:
LippeLex, wikipedia, Uni-Bibliothek Paderborn, LLB Detmold, wikimedia Foto Gedenkstein

Auguste Bracht

Unter diesem Straßenschild im Detmolder Ortsteil Jerxen fehlt ein kleines Schild mit Informationen.

Wer war Auguste Bracht und aus welchem Grund wird Sie durch eine Straßenbezeichnung geehrt?

In LippeLex, dem wiki mit biographischen Daten zu bedeutenden Personen aus Lippe, das von der LLB Detmold gepflegt wird, findest du wesentliche Informationen.
https://lippelex.de/index.php?title=Bracht,_Auguste_(1875-1939)

Auguste Bracht war 1919 die erste weibliche Abgeordnete im Lippischen Landtag. Sie war bis 1921 Landtagsmitglied. Sie wurde am 17. Juli 1875 in Oerlinghausen geboren, wohnte in Oerlinghausen, erlernte den Beruf als Näherin bei der Firma Benkelberg, war später mit eigener Nähmaschine als Hausnäherin für Benkelberg tätig und setzte sich als SPD-Politikerin für die Rechte von Frauen ein. Sie starb am 30. Mai 1939 in Bielefeld.

Im Adressbuch für das Land Lippe ist die Wohnanschrift eingetragen. Am Haus an der Holter Straße 30 wurde 2023 eine Gedenktafel angebracht.

Wohnhaus und Gedenktafel

Der Heimatforscher Werner Höltke aus Oerlinghausen erinnert 2004 in Heft 8 von Heimatland Lippe an Auguste Bracht.
https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/llb/periodical/pageview/6375553

Horst Biere aus Oerlinghausen ist zu verdanken, dass an Auguste Bracht erinnert wird. Zwei Zeitungsartikel aus seiner „Feder“ sind hier zu lesen.
https://www.lz.de/lippe/oerlinghausen/22767261_Auguste-Bracht-eine-Waeschenaeherin-macht-Karriere.html
https://www.nw.de/lokal/kreis_lippe/uebersicht/23619232_Auguste-Bracht-die-fruehe-Kaempferin.html

Im November 2018 erinnerte Bärbel Sunderbrink in einem Vortrag zum Thema 100 Jahre Frauenrechte in Lippe an Auguste Bracht.

In der Zeitschrift Rosenland wird Auguste Bracht in Heft 22 und Heft 29 erwähnt.
https://www.rosenland-lippe.de/wp-content/uploads/2019/05/Rosenland-22.pdf
https://www.rosenland-lippe.de/wp-content/uploads/2024/03/Rosenland-29.pdf

Hier eine OpenStreetMap damit du die Straße finden kannst.

Sandbaden

Warum kannst du auf den Ostfriesischen Inseln nicht baden?
○ Es ist zu kalt
○ Es ist Ebbe
○ Es ist zu windig
○ Es fehlt der Sand

Auf der Seite ln-1.de/2024/04/Reisetipps findest du alternative Reisetipps.

Robert Kronfeld

Vor mehr als 100 Jahren unternahm der Luftfahrtpionier Otto Lilienthal aus Anklam erste Flüge mit selbstgebauten Flugapparaten, vor fast 100 Jahren gelang Robert Kronfeld aus Wien der weltweit erste Flug mit einem Segelflugzeug über eine Strecke von mehr als 100 km. Im Norden von Detmold findest du im ehemaligen Militärbereich die Robert-Kronfeld-Straße.

Ausziehen! – Laufen! – Los! Drei Kommandos an die Startmannschaft brachten das Segelflugzeug mit Robert Kronfeld per Gummiseilstart am 15. Mai 1929 am Bergeshöveder Berg im Teutoburger Wald in der Nähe von Riesenbeck in die aufsteigende, sonnengewärmte Luft. Geplant war ein Flug entlang des Teuto bis nach Horn, vielleicht bis an die Externsteine, eine Strecke von mehr als 100 km eine bisher nicht erreichte Distanz im motorlosen Segelflug. Von der Sonntagszeitung Grüne Post war ein Preis von 5000 Reichsmark für den ersten Rekordflug ausgeschriebenen.

Vom Hermannsweg sind es nur wenige Schritte zum Startplatz. Dort wurde 1990 vom Heimatverein Riesenbeck ein Gedenkstein aufgestellt und direkt daneben eine Bank. 2018 wurde der Gedenkstein von Mitgliedern der Luftfahrtvereinigung Greven vom Bewuchs mit Flechten und Moosen befreit.

Gedenktafel am Bergeshöveder Berg
Foto: RMK

Der Flug von Kronfeld endete entgegen der Planung nicht in der Nähe der Externsteine sondern einige Kilometer vor diesem Ziel auf dem Königsberg bei Detmold. Als Gesamtstrecke wurden 102 km festgestellt. Am Landeort befindet sich (GPS 51° 55‘ N, 8° 53‘ O) seit dem 15. Mai 1997 ein Gedenkstein auf dem Gelände des LWL-Museums.

Gedenkstein auf dem Königsberg

Auf der Internetseite der Luftfahrtvereinigung Greven findest du den Bericht von Robert Kronfeld „Mein Streckenrekordflug am Teutoburger Wald“ der 1929 in der Zeitschrift „Flugsport“ Nr. 13 veröffentlicht wurde.

Gudrun Hennigs hat 1993 einen Beitrag mit dem Titel „Ein Rekordflug brachte den Segelflug in das Lipperland“ in Heimatland Lippe veröffentlicht. Bei der LLB Detmold ist das Heft online verfügbar. Mit einem Klick auf das Vorschaubild wird die jeweilige Seite aus dem LLB-Archiv aufgerufen.

Am 17. Mai 1931 besuchte Robert Kronfeld die Einweihungsfeier des Flugplatzes Oerlinghausen. In seinem Eintrag im Gästebuch der Stadt erwähnt er das hervorragende Segelfluggelände.

Anlässlich der Deutschen Segelflugmeisterschaften im Juli 1953 in Oerlinghausen findet sich auf derselben Gästebuchseite unten ein Eintrag mit gravierenden Fehlern.

Jetzt möchte die Rechtschreibprüfung den Namen Kronfeld gerne zu Kornfeld korrigieren. Diesem Wunsch sind verschiedene Autoren gefolgt und so liefert die Internetsuche nach Robert-Kornfeld-Straße einige Treffer.

Bemerkenswert ist auch die folgende Information.

In open street map ist dieser Fehler mittlerweile behoben.

Links:
https://www.haller-kreisblatt.de/Ueber-dem-Teuto-wurde-Geschichte-geschrieben.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Wien_(Segelflugzeug)
https://www.j2mcl-planeurs.net/dbj2mcl/planeurs-hommes/hommes-fiche_0int.php?code=123
https://sportflugzentrum.de/2018/09/23/denkmalpflege/

Quellen:
Lippischer Heimatbund: Heimatland Lippe
Stadtarchiv Oerlinghausen
wikipedia

Landeseisenbahn

Detmold und das Lipperland liegen zwar zentral in Europa und sind, wie jede Heimat, Mittelpunkt der Welt und trotzdem am Rand. Eine knappe Stunde Fahrzeit bis zur nächsten Autobahnauffahrt und ebenso lange bis zum nächsten überregionalen Bahnhof.
Keine der im 18. Jahrhundert gebauten Bahnlinien führte in das kleine Fürstentum. Die erste Eisenbahnstrecke auf lippischem Boden zwischen Hannover und Altenbeken tangiert Lippe bei Schieder lediglich. Über Schieder ist Lippe seit 1872 an die Eisenbahn angeschlossen. Die seit 1847 von Köln bis Hannover betriebene Köln-Mindener Bahn, seither die einzige Trägerin des ost-westlich verlaufenden Weltverkehrs in Norddeutschland, führte dicht an lippischem Gebiet vorbei. Lippe bemühte sich zwar frühzeitig um einen Anschluss an diese Bahn, im Juli 1857 wurde sogar bereits die Lage des Bahnhofs Detmold festgelegt und eine Streckenführung den Knochenbach hinauf über Heiligenkirchen, Hornoldendorf nach Horn abgesteckt, konnte sich als kleines Land diese Investition nicht leisten. 1880 wurde die Bahnlinie von Herford nach Detmold vollendet und am 31. Dezember 1880 konnte der erste fahrplanmäßige Zug nach Detmold fahren.
Die Kosten von mehr als 3 Millionen Mark wurden von Preußen und Lippe getragen, ein Zehntel des lippischen Beitrags von 1,5 Millionen Mark wurde von der Stadt Detmold übernommen. Mehr als 50.000 Fahrgäste in den ersten Jahren und nahezu eine Verdopplung im Jahrzehnt bis 1894 zeigt die Bedeutung dieser Stichbahn für Detmold ebenso wie der über die Eisenbahn geführte zunehmende Güterverkehr für das Land Lippe.
Der Wunsch einer Weiterführung der Strecke Herford – Detmold nach Altenbeken und damit eine Eisenbahnverbindung zwischen der Köln-Mindener und der Westfälischen Bahn wurde durch die Bielefelder Handelskammer unterstützt und in Detmold konstituierte sich im Juli 1885 ein Komitee zur Förderung des Eisenbahnunternehmens Detmold – Altenbeken. Die Strecke wurde am 12. Juli 1895 in Betrieb genommen und Lippe hatte den Anschluss nach Mittel- und Süddeutschland.

Bahndamm mit Eisenbahn, rechts Gastwirtschaft „Grüner Jäger“ in der Meiersfelderstraße
ca. 1918 – LLB Detmold, BA DT-19-32

Lippe verpasste die Chance, ein modernes flächendeckendes Nahverkehrssystem zu errichten.
So lautet die Überschrift zu einem Text von Hermann Niebuhr zur Geschichte der Verkehrsanbindung des ländlichen Raumes.
Der lippische Landtag forderte im Oktober 1899 die Regierung auf, „… alsbald in Erwägungen darüber einzutreten, in welcher Weise und unter welchen Voraussetzungen unser Land mit einem Kleinbahnnetze versehen werden könne.“ Mit der Eisenbahn konnte man große Entfernungen schnell überwinden und war nicht mehr vom Wetter abhängig. Vor allem aber war der Gütertransport entscheidend erleichtert, was den Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse begünstigte. Außerdem hatten sich die großen Linien für Betreiber und Aktionäre als sehr gewinnbringend erwiesen. Also wurde in vielen bis dahin schlecht erreichbaren Gegenden der Bau von Klein- oder Nebenbahnen gefordert – so auch in Lippe.
Beim lippischen Staatsministerium gingen verschiedene Anfragen von Eisenbahnbaugesellschaften ein, die ihre Dienste anboten. Unter diesen befand sich auch das „Bau- und Betriebs-Bureau für Neben- und Kleinbahnen G. Küchler“. Auf Beschluss des Landtags vom 17.3.1900 gab die lippische Regierung die Vorarbeiten für ein Kleinbahnnetz in Auftrag, – das Ergebnis war das von Küchler ausgearbeitete Projekt einer „Lippischen Landeseisenbahn“.
Küchler hatte ein geschlossenes Kleinbahnnetz in Meterspur entworfen mit einer Streckenlänge von ca. 200 km und 70 Bahnhöfen und Haltestellen. an Baukosten waren etwa 9 Millionen Mark veranschlagt. Dieses Netz hätte alle Teile Lippes gleichmäßig erschlossen und der Verlauf der Linien entspricht weitgehend den heute noch aktuellen Verkehrsadern. In Vlotho und Rinteln waren Güterumschlagplätze an der Weser vorgesehen und an vielen Stellen direkter Übergang zur Staatsbahn.

Lippische Landeseisenbahn, Bahnhöfe und Haltepunkte

1 Vlotho, 2 Niedermühle, 3 Kaltdorf, 4 Hellinghausen, 5 Langenholzhausen, 6 Dalbke, 7 Hohenhausen, 8 Bavenhausen, 9 Luhe, 10 Breda, 11 Entrup, 12 Lemgo, 13 Nonenkrug, 14 Bentrup-Trophagen, 15 Heiden, 16 Bremke-Niewald, 17 Belfort, 18 Detmold, 19 Heidenoldendorf, 20 Nienhagen, 21 Pivitsheide, 22 Augustdorf, 23 Haustenbeck, 24 Schlangen, 25 Meiersfeld, 26 Diestelbruch, 27 Vahlhausen-Mosebeck, 28 Cappel, 29 Kleinenmarpe, 30 Großenmarpe, 31 Istrup, 32 Blomberg, 33 Schieder, 34 Lothe, 35 Schwalenberg, 36 Ruensiek, 37 Born, 38 Rischenau, 39 Falkenhagen, 40 Bremke, 41 Almena, 42 Nalhof, 43 Bösingfeld, 44 Asmissen, 45 Ullenhausen, 46 Alverdissen, 47 Barntrup, 48 Mönchshof-Bentrup, 49 Sommersell, 50 Rothekuhle, 51 Vogelhorst, 52 Kluckhof, 53 Lüdershof, 54 Kirchdonop, 55 Eckendorf, 56 Nienhagen, 57 Bexterhagen-Wülferheide, 58 Bexten-Wülfer, 59 Knetterheide, 60 Schötmar, 61 Salzuflen, 62 Kohlstädt, 63 Kleine Egge, 64 Externsteine, 65 Horn (Stadt), 66 Horn (Bahnhof), 67 Ehrdissen-Schuckenbaum, 68 Leopoldshöhe, 69 Pottenhausen, 70 Lage

Warum wurde dieses Projekt nicht verwirklicht? Obwohl es großen Eindruck machte, überwogen die finanziellen Bedenken. Die Steuerkraft Lippes war gering und die Abgaben („Matrikularbeiträge“), die Lippe als selbständiges Glied des Deutschen Reiches zu zahlen hatte, drohten zu steigen. Der dadurch beengte Handlungsspielraum war die Kehrseite der Eigenständigkeit des Landes. Landtag und Regierung behandelten das Projekt daher sehr zögerlich.

Ein zuverlässiges Nahverkehrssystem in Westfalen-Lippe erhalten und ausbauen – dieses Ziel verfolgt der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe, kurz NWL. Hier siehst du die Ausbaupläne.

Quellen:
Geschichte der Stadt Detmold, 1953, Maximilian Verlag
LLB-Detmold, Bildarchiv
Nahverkehr Westfalen-Lippe

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