Fechenbach

„Wenn du einmal hören solltest, ich sei auf der Flucht erschossen worden, dann kannst du sicher sein, es war Mord.“ so die Worte von Felix Fechenbach an den SPD Unterbezirkssekretär Emil Feldmann. Am 11. März 1933 knapp zwei Monate nach der Landtagswahl in Lippe, bei denen die Nationalsozialisten 39,5 % erzielten, wurde der von den Nationalsozialisten verhasste Fechenbach verhaftet. Geboren am 29. Januar 1894 in Mergentheim – ermordet am 7. August 1933 im Kleinenberger Wald wurde Felix Fechenbach nur 39 Jahre alt. Von 1929 bis 1933 war Fechenbach in Detmold als Redakteur der 1920 gegründeten Zeitung „Volksblatt“ tätig und entwickelte die Zeitung zu einem sozialdemokratischen Kampfblatt. Seine Tätigkeit als Redakteur sowie als Redner machte ihn unter den lippischen SPD-Mitgliedern bekannt und beliebt und zum lippischen Landtagspräsidenten Wilhelm Mellies unterhielt er freundschaftliche Beziehungen. Zu Veranstaltungen wurde er häufig von August Berlin begleitet.

Im September 1929 hatte sich Fechenbach für die zum 1. Oktober zu besetzende Redakteurstelle beworben, seine Tätigkeit konnte er am 8. Oktober aufnehmen. Er wohnte vorerst in der Palaisstraße 28 bis er mit seiner aus Berlin nachziehenden Familie am 1.1.1930 in die Feldstraße 53 umzog. Im Gedenkbuch Detmold sind diese Wohnsitzinformationen anhand der Meldekarte nachzulesen. Eine schöne Wohnung an der Oesterhausstraße Nr. 6 bezog Familie Fechenbach am 1.9.1931.

Auf Anregung der Bewohner wurde im November 2021 an diesem Haus eine Gedenktafel angebracht. Dennis Maelzer, Geschäftsführer der im Juli 1996 gegründeten Felix-Fechenbach-Stiftung, und die Fechenbach Enkel Balz und Kathie Wiederkehr nahmen an der kleinen Feier zur Enthüllung der Gedenktafel teil.

Gedenken und Erinnerung – Ein sicherlich unvollständiger Rückblick

Bereits 1936 erscheint im Eichenverlag Arborn (ohne Autorenangabe) Das Felix Fechenbach Buch mit Texten, die Walther Victor auf Bitte von Irma Fechenbach zusammenstellt.

Am 3.4.1946 erscheint die Freie Presse als “Ein neues Volksblatt”. In der 1. Ausgabe schreibt der SPD Politiker Wilhelm Mellies zum Thema Pressefreiheit „Sein Tod ist uns Verpflichtung. Heute wissen wir alle, was Demokratie und Pressefreiheit bedeuten.“

Zum 13. Todestag am 7.8.1946 schreibt die Freie Presse: “Die lippische Arbeiterschaft wird Felix Fechenbach nicht vergessen”

Hermann Schueler war in den 1950er bis 1960er Jahre Redakteur der Zeitung „Freie Presse“ und hörte den Namen Felix Fechenbach erstmals zu Beginn der 1950er Jahre. Eine Internetsuche im Freie Presse Archiv liefert neun Artikel zum Suchwort „Fechenbach“. Die LZ hat keine vergleichbare öffentliche Suchmaschine für ihr Archiv.

Am Sonnabend, dem 8.8.1953 veröffentlicht die Freie Presse eine ganze Seite zum 20. Todestag von Felix Fechenbach.

Aus dem Zeitungsarchiv der LLB Detmold

Ansonsten ist in den 1950er Jahren eine gewisse Stille zum Thema in der Öffentlichkeit und den lokalen Medien zu verzeichnen.

Auf Initiative von Hermann Schueler beschloss der Rat der Stadt Oerlinghausen 1965 einstimmig, eine kleine Siedlungsstraße in der Südstadt Felix-Fechenbach-Straße zu nennen.

Der erste Gedenkstein für Felix Fechenbach wurde am 25.8.1973 am Tatort errichtet. Die Anregung dazu kam von Robert Kempner, einem Freund der Familie Fechenbach, der als kritischer Jurist selbst von den Nationalsozialisten verfolgt wurde, nach Amerika übersiedelte und 1945/1946 als stellvertretender Hauptankläger der Vereinigten Staaten bei den Nürnberger Prozessen tätig war. Der lippische SPD Bundestagsabgeordnete August Berlin setzte sich für diese Idee ein und zeitnah zum Jahrestag der Ermordung wurde die Gedenktafel vom damaligen Ministerpräsidenten Heinz Kühn im Beisein von Irma Fechenbach und Robert Kempner enthüllt.

LLB Detmold BA LP-6-20

Nach dem hinterhältigen Mord im Kleinenberger Wald bei Scherfede vergehen fast 50 Jahre bis 1981 die Fechenbach-Biographie von Hermann Schüler mit dem Titel „Auf der Flucht erschossen“ erscheint und man sich in Detmold intensiver mit diesem Aspekt der Regionalgeschichte auseinandersetzt und die in den diversen Archiven lagernden Dokumente auswertet. In der Folgezeit erscheint der Name Felix-Fechenbach in verschiedenen Zusammenhängen.

1982 erscheint das Buch „Das Schicksal hat bestimmt, daß ich hierbleibe“ von Peter Steinbach in dem u.a. die Artikel von „Nazi-Jüsken“ zusammengestellt sind.

Die August-Weweler-Straße, benannt nach dem Komponisten August Weweler, der sich selbst “alter Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung” nannte, wird auf Initiative der Jusos und nach Zustimmung des des Rates der Stadt Detmold am 23.10.1986 in Felix-Fechenbach-Straße umbenannt. Damit enden längere Diskussionen und die Kreisverwaltung Lippe hat eine geeignetere Anschrift.

In Lage wird 1984 eine alternative Buchhandlung, die Felix-Fechenbach-Kooperative, gegründet, die 1999 im sich dynamisch entwickelnden Internet die web-Adresse www.fechenbach.de registriert.

Die Gewerbliche Schule des Kreises Lippe in Detmold, eine der vier Berufsschulen des Kreises Lippe, erhält nach intensiven Beratungen in den Schulgremien den Namen Felix-Fechenbach-Schule. Initiativen zur Namensgebung gehen u.a. von Schulleiter Heinrich Lindau und Religionslehrer Friedrich Blanke aus. In einer Arbeitsgruppe aus interessierten Lehrern wird die erste Fechenbach-Ausstellung konzipiert und angefertigt. Zur Feier der Namensgebung am 8.5.1988 waren Curt Fechenbach-Fey, Hanni Sherman und Lotti Fechenbach, die Kinder von Felix Fechenbach anwesend.

Von Erika Stumpf wurde eine ansprechende Gedenktafel gestaltet und von der Bildgießerei Barth hergestellt. Die Bronzetafel ist an zentraler Stelle auf dem Schulgelände angebracht.

Aufgrund von Änderungen im Schulverwaltungsgesetz (Berufskolleggesetz) heißt die Felix-Fechenbach-Schule seit dem 1.8.1998 Felix-Fechenbach-Berufskolleg.

Einstimmig beschloss der Gemeinderat von Leopoldshöhe im Jahr 1989 die Gesamtschule in Felix-Fechenbach-Gesamtschule umzubenennen. Die seinerzeit in der Planung befindliche Westumgehung der Gemeinde heißt jetzt Felix-Fechenbach-Straße.

Foto: FFG Leopoldshöhe

Zu Beginn eines jeden Schuljahres wird die Fechenbach-Ausstellung im Forum der Berufsschule für mehrere Wochen aufgestellt, von allen neuen Schülerinnen und Schülern besucht und somit zu einer verbindlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Nationalsozialismus.

Eine Tafel der ersten Fechenbach Ausstellung
Foto: Heike Harms-Lehmann

Ein wissenschaftliches Symposium, das der Landesverband Lippe vom 28.-29.1.1994 zum 100. Geburtstag von Fechenbach veranstaltete, ist ein weiterer Baustein der Erinnerungsarbeit in Detmold. Dr. Hermann Schueler hielt den Festvortrag, der Junge Chor Detmold gestaltete den musikalischen Rahmen u.a. mit der Uraufführung „In Memoriam Felix Fechenbach“. Von den Vorträgen am zweiten Tag sind insbesondere die Vorträge von Jürgen Hartmann „Felix Fechenbach und der Antisemitismus in Lippe“ und Wolfgang Müller „ Nie ganz vergessen“ zu erwähnen.

Wolfgang Müller führte in der Lippischen Landesbibliothek durch eine neu erstellte Ausstellung zum Leben und Wirken von Felix Fechenbach.

Am 15.07.1996 wurde die Felix-Fechenbach-Stiftung gegründet.
https://www.im.nrw/felix-fechenbach-stiftung
Die webadressen der Stiftung
http://www.felix-fechenbach.org/
http://www.felix-fechenbach-stiftung.de/
sind derzeit nicht erreichbar.

Unter Stadtarchivar Andreas Ruppert erarbeitete das Stadtarchiv eine weitere Fechenbach-Ausstellung, die u.a in der Stadtbücherei Detmold (2003) und im Kreishaus Lippe (2004) gezeigt wurde.

Am 20. Juli 2003 wird der Name Felix-Fechenbach durch einen anonymen Benutzer unter der IP-Adresse 217.225.21.240 in der Online-Enzyklopädie wikipedia verankert. Die Seite wird ca. 10mal pro Tag aufgerufen.
Hier https://de.wikipedia.org/ kannst du die Versionen einsehen.

Eine Gedenkwoche richtete die Stadt Detmold im August 2003 zum 70. Jahrestag der Ermordung von Felix Fechenbach aus. Bürgermeister Friedrich Brakemeier konnte die in Amerika und der Schweiz lebenden Kinder, Enkel und Urenkel Fechenbachs in Detmold begrüßen. In der Woche fand nach dem Empfang im Rathaus eine Feierstunde am Gedenkstein im Kleinenberger Wald statt. In Leopoldshöhe wurde die Felix-Fechenbach-Straße eingeweiht und die Felix-Fechenbach-Gesamtschule besucht. Ingrid Schäfer konnte die soeben fertiggestellte Biographie über Irma Fechenbach vorstellen. Die Gäste erfuhren auf einem Stadtrundgang einiges zu den Orten an denen Felix und Irma gewohnt und gearbeitet hatten. Im Rahmen der Gedenkwoche wurde der Felix-Fechenbach-Preis an Dr. Hermann Schueler verliehen.

Seit November 2003 gibt es in der südlichen Egge einen Wanderweg vom Kleinenberger Wald zum Friedhof in Rimbeck mit dem Namen Felix-Fechenbach-Weg.

Am 12.12.2011 wurde der Felix-Fechenbach-Preis an FFB verliehen.
In den Jahren 2011 – 2013 erarbeitete eine Schülergruppe auf Initiative von Schulleiter Horst Klüter ein Grundkonzept für eine neue Fechenbach-Ausstellung. Unterstützt wurde die Gruppe durch die Historikerin Dr. Sonja Girod, von Lehrerinnen und Lehrern (Sonja Schreiber, Annette Radon, Dirk Meier) und fachliche Beratung durch Andreas Ruppert, den Leiter des Stadtarchiv Detmold.

Foto: BOJ FFB

Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung wurde die Ausstellung in Anwesenheit von Lotti Fechenbach und Tobias Wiederkehr am 24. Juni 2013 feierlich durch NRW Innenminister Ralf Jäger im Felix-Fechenbach-Berufskolleg eröffnet.

Der SPD Landtagsabgeordnete Dr. Dennis Maelzer vermittelte einen weiteren Ort für die Ausstellung, die ab November 2014 für mehrere Wochen im NRW Landtag zu sehen war. Zur Ausstellungseröffnung in Düsseldorf konnte Landtagspräsidentin Carina Gödecke Abgeordnete, 80 FFB-Schüler, den Schulleiter, Lehrer des FFB und Detmolds stellvertretende Bürgermeisterin Christ-Dore Richter begrüßen.

Die sehenswerte Ausstellung des FFB war im Januar 2018 ein Baustein der Holocaust-Gedenkenwoche in Detmold.

Jedes Jahr im August besucht eine Delegation der SPD die Felix-Fechenbach-Gedenkstätte im Kleinenberger Wald bei Scherfede.

Foto: Heike Harms-Lehmann

Quellenhinweise:
Lippische Landesbibliothek Detmold, Landesarchiv NRW, Stadtarchiv Detmold, Lippische Landeszeitung, Lippische Rundschau, Freie Presse, Internetrecherche, div. private Sammlungen

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